Blödsinn http://balkon.blogsport.de Sun, 14 Jan 2018 12:34:33 +0000 http://wordpress.org/?v=1.5.1.2 en MUSIKALISCHER JAHRESRÜCKBLICK 2017 http://balkon.blogsport.de/2017/12/21/musikalischer-jahresrueckblick-2017/ http://balkon.blogsport.de/2017/12/21/musikalischer-jahresrueckblick-2017/#comments Thu, 21 Dec 2017 13:24:52 +0000 Administrator Allgemein http://balkon.blogsport.de/2017/12/21/musikalischer-jahresrueckblick-2017/ Auch 2017 gilt: Musik ist das Geilste. Hier meine 15-31 Lieblingsplatten und die zehn m.E. beeindruckendsten und schönsten Musikvideos des Jahres.

Das dazugehörige Album erscheint 2018. Zu spät für den 100. Jahrestag der Oktoberrevolution, deshalb wohl dieses frühe Vorabvideo, gedreht von Kay Özdemir, der auch das zweite Video von NO°RD gemacht hat. Nun aber los:

Loss – Horizonless

„Something is lost / Nothing is gained / The world is ours / To share and stain“; wenn nach mehr als 50 Minuten Funeral Doom dieser Chor erklingt, wirkt er sowohl kathartisch als auch beklemmend – ein Anrufen der Stille und des Aufbruchs gleichermaßen, eine Verbeugung vor dem leeren Horizont, ein tiefer Trost. Alles an „Horizonless“ ist mächtig, bedrohlich und doch zutiefst beruhigend. Allein der Mut, das Album mit 100% Fokus auf Bass und Growls zu produzieren! Ein kompromissloses Meisterwerk.

Cold Kids – Split-7″ mit KRANK

Stellvertretend für alles, was sie bisher veröffentlicht haben; es gibt eine Menge austauschbarer deutscher Punkbands – die Cold Kids hingegen erkennt man nach wenigen Sekunden, und dann lassen sie einen nicht mehr los. Großartig, wie sich hier vor den 80ern und den 70ern (der Gesang!) verbeugt wird und dabei doch etwas Neues geschaffen. Dazu Texte, die niemals peinlich werden und immer auf den Punkt genau das treffen, was getroffen werden soll, wenn man nachts sein Dosenbier trinkt. Kann das Debüt-Album kaum erwarten. Punk-Entdeckung des Jahres! (Und die KRANK-Seite ist auch ziemlich gut.)

Moirai – Here & Now

Dass mal ein des Punks und Metals vollkommen unverdächtiges Album dreier sehr gemütlich aussehender Engländerinnen unter meinen Alben des Jahres landen würde, hätte ich vor einem Jahr noch nicht gedacht. Aber Trad Folk ist ja auch irgendwie Punk. Und dann benutzen sie auch noch ein Saxophon! Allein für „Dust if you must“, ein fröhliches Lied darüber, dass Staubsaugen vollkommen überbewertete Verschwendung von Lebenszeit darstellt, muss man sie lieben.

Fornhem – Et Fjärran Kall

Mein Black-Metal-Album des Jahres ist eine Neuentdeckung, ein über Jahre gereiftes Debüt, roh und kompromisslos – vier Songs in 45 Minuten, alle basierend auf zwei-drei Riffs, klirrend-kalter und dennoch druckvoller Klang, hoher Suchtfaktor. Ein unscheinbares, einfaches und gerade deshalb perfektes Meisterwerk.

Lankum – Between The Earth And Sky

Der Nachfolger von „Cold Old Fire“ (damals noch unter dem Namen Lynched veröffentlicht) geht trotz fettem Majordeal noch düsterer zu Werke und beginnt einfach mal mit einem elend langen Drone-Song aus der Traveller-Tradition; wiederholt aber ansonsten durchaus das Erfolgsrezept des Vorgängers und hat mit „The Granite Gaze“ eine unglaublich emotionale und textlich mir aus der Seele sprechende Video-Auskopplung parat. Auch die englische Version der „Moorsoldaten“ ist sehr gelungen! Hoffentlich lassen sie sich bis zum nächsten Album nicht wieder so viel Zeit.

Love A – Nichts ist neu

Vier Alben, vier mal in meiner Jahresbestenliste – auf Love A ist Verlass. „Nichts ist neu“ ist ihr dunkelstes und schönstes Werk, textlich gibt es diesmal keine Ausreißer im Niveau, und nahezu jede Zeile trifft. Das Fünfte wird es schwer haben.

Ye Banished Privateers – First Night Back In Port

Monkey Island meets The Pogues meets Tom Waits. Technisch und kompositorisch ausgereift, maximale Spielfreude in jeder Sekunde – das ist zwar vordergründig Piraten-Kitsch, dahinter steckt aber viel mehr. Absolut großartig!

Alestorm – No Grave But The Sea

Ich sollte mir langsam Sorgen machen.

Grift – Arvet

Traumhafter melodischer Black Metal eines schwedischen Einsiedlers; echter, schöner, verzweifelter geht es nicht. Das Label „Nordvis“, auf dem Grift erscheint, hat sich dieses Jahr zu meinem Liebling entwickelt – fast jeder Release ist zumindest interessant, viele absolut großartig.

Susanne Sundfør – Music For People In Trouble

Selten war ein Titel treffender: Musik, die heilen kann; eine unfassbare Stimme, wundervolle Melodien, durchbrochen von obskuren Ambient-Passagen, perfekt auf den Punkt komponierte Höhepunkte – was für ein Album!

Lambs – Eis bestellen / Inventar zerlegen

Da bringen die ein Album raus, auf dem der Sänger endlich zu sich gefunden hat, und dann lösen sie sich auf. Frechheit. Herrlich unkonventioneller Emo-Punk mit Wut im Bauch.

Sun Of The Sleepless – To The Elements

Ich weiß nicht, ob ich das ohne den Nostalgie-Faktor auch so gut fände, aber ich glaube schon. Klingt wie alte Empyrium und Darkthrone gemischt, ganz schön geil!

Saiva – Makerna Bortom

Das Debüt-Album des Nordvis-Label-Gründers – idyllischer Folk Rock mit Black-Metal-Anleihen, entspannte, atmosphärische Musik direkt aus den Wäldern Laplands.

Sons of Crom – The Black Tower

„Crom is a grim and gloomy god, ever watching from atop his mountain in dark clouds and obscuring mists, ready to pass a disapproving judgment on any and all, but he is said to approve of courage and tenacity, even if the human is too frail to succeed.“ Ganz normale Vaterfigur, würd ich sagen. Aus seinen Söhnen jedenfalls ist was geworden.

Rope Sect – Personae Ingratae

Dass depressive Musik durchaus positive Effekte haben kann, ist übrigens (natürlich!) schonmal wissenschaftlich untersucht worden. Die Seilsekte ist ein fiktiver Zusammenschluss von Leuten, die sich den Strick nehmen wollen. Schlimm! Aber ihre Musik ist wunderschön dreckiger Gothic Garage Rock, der mich lächeln lässt.

Ebenfalls Begeisterung wert:

Havukruunu – Kelle Surut Soi [Pagan Metal]
Kreator – Gods Of Violence [Thrash Metal]
Murmur Mori – Radici [Italienischer Neofolk]
Stick in the Wheel feat. V.A. – From Here [English Trad Folk]
Crusades – This Is A Sickness And Sickness Will End [Occult Pop Punk]
Bloodway – A Fragile Riddle Crypting Clues [Avantgarde Metal]

Belgrad – Belgrad [Indie Pop]

Fäulnis – Antikult [Black Metal Punk]

Solbrud – Vemod [Black Metal]
Ostraca – Last [Emo Violence]
The Trials Of Cato – Debut EP [English Folk]
Out Lines – Conflats [Indie Pop]
Aiden Moffat – Songs That Weren‘t To Be [Scottish Pub Folk]
Julie Fowlis – alterum [Gaelic Folk]
Lör – In Forgotten Sleep [Progressive Metal]
Dawn Ray‘d – The Unlawful Assembly [Red Black Metal]
Grave Pleasures – Motherblood [Death Rock]

The Night Flight Orchestra – Amber Galactic [Classic Rock]

2017 war auch wieder ein großartiges Jahr für Konzerte. Durch die eigene Band viel rumgekommen und erlebt, was immer wieder neu und anders ist und sicherlich das emotionalste, was ich so erlebt habe. Man kann den ganzen Veranstalterinnen, Veranstaltern und Konzertgruppen gar nicht genug danken dafür, was sie so auf die Beine stellen. Jedes einzelne kleine DIY-Punk-Konzert ist immer wieder ein großes Erlebnis, nicht nur bei eigener Beteiligung. Als besonders intensive Erlebnisse erscheinen mir darüberhinaus bemerkenswert:
- das sentimentale doppelte Jubiläumskonzert von Die Strafe (als Band) & EA80 (für ihr geniales Album „202″, das sie deshalb auch fast komplett spielten!),
- das einen Kurzurlaub in England perfekt abrundende Konzert von AJJ im AZ Köln,
- das erfrischend lebensfrohe Konzert von Ye Banished Privateers auf dem Mittelaltermarkt im Fredenbaumpark,
- das wunderbar warme Cry-Me-A-River-Fest in Versmold,
- die irrwitzige Show von Gloryhammer in Oberhausen,
- das geil altmodische Konzert von Alte Sau im Wageni,
- die Releaseshow von Die Shitlers im Rottstraßentheater,
- die intimen Auftritte von Of The Wand & The Moon in Krefeld und Utrecht und
- das atmosphärisch-nostalgische und mit einer tollen Wanderung verbundene Prophecy-Fest in der Balver Höhle. (Auch nochmal eine schöne Anregung zum Wiederentdecken einiger „Alltime-Faves“, die dieses Jahr 20 geworden sind: Empyrium – Songs of moors & misty fields, In The Woods… – Omnio, Borknagar – The Olden Domain…)

Immer vorwärts!

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MUSIKALISCHER JAHRESRÜCKBLICK 2016 http://balkon.blogsport.de/2016/12/29/musikalischer-jahresrueckblick-2016/ http://balkon.blogsport.de/2016/12/29/musikalischer-jahresrueckblick-2016/#comments Thu, 29 Dec 2016 12:22:10 +0000 Administrator Allgemein http://balkon.blogsport.de/2016/12/29/musikalischer-jahresrueckblick-2016/ Guten Morgen,

ich finde das Leben grundsätzlich sehr interessant, spannend und schön. Da freut es mich doch, wenn es sich dann auch mal entsprechend verhält. 2016 war das der Fall, nicht nur musikalisch passierte mehr als sonst, auch in meinem Leben und – last but not least! – in der Welt. Wobei, da passiert eigentlich immer viel. Eigentlich passiert immer ganz schön viel! Wahnsinn.

Um dem diesjährigen sehr langen Jahresrückblick einen inhaltlichen Schwerpunkt zu verleihen, ja, um nicht den Überblick zu verlieren bei soviel Großartigkeit, möchte ich meine alte Leidenschaft für GENDER STUDIES wieder ausgraben und meine Lieblingsalben unter dem Gesichtspunkt von MÄNNLICHKEIT untersuchen. Da staunt ihr, da staune ich, da staunen wir alle, denn Staunen ist was Schönes, wer nicht mehr staunt, leidet, sage ich.

Fangen wir mit meinem diesjährigen Lieblingsmusikvideo an, PUP erzählen mit „Sleep in the Heat“ die traurige Geschichte vom Tod eines geliebten Reptils, nämlich dem des Sängers der Band. Im Musikvideo handelt es sich jedoch um die nicht minder traurige Geschichte eines Jungen und seines Hundes. Männer und Tiere!, möchte man ausrufen. Doch geht es ja nicht nur um Tiere, sondern auch um Jungen- und Männerfreundschaft, und da kann ich als Mitglied einer Männerband ein Lied von singen (um Himmels Willen, hoffentlich tue ich das nie). Jedenfalls musste ich fast weinen:

Nun aber zu den ohne Zweifel besten Alben des Jahres.

Eternal Champion – The Armor Of Ire

Als ich den Titelsong dieses Albums zum ersten Mal hörte, war ich sofort hin und weg: Sowas hätte ich – in anderer Instrumentierung – eher in einer 80er-New-Romantic-Disco erwartet als auf einem Album mit diesem – nun ja – dezent problematischen Cover. Das Lied ist simpel, ungemein tanzbar und zu gleichen Teilen kraftvoll wie melancholisch, es hat also alles, was es braucht, damit ich eine Erektion bekomme. Zwei Monate musste ich warten, bis ich es endlich in voller Pracht auf dem Album hören konnte, und auch die anderen Lieder entwickelten sich schnell zu Lieblingsliedern, allen voran die schwermütige Ballade „Invoker“, in der es darum geht, dass ein trauriger Mann Dämonen erweckt, weil er, nun ja, traurig ist. Wie das Männer eben so machen. Herrlich!

Turbostaat – Abalonia

Angeblich erzählt „Abalonia“ eine durchgehende Geschichte. Ich bin da noch nicht hinter gestiegen, so verschissen kryptisch tut „Abalonia“ das. Aber egal, ich bin ja auch kein richtiger Musikjournalist. Was ich höre: das wohl beste Post-Punk-Album der letzten 20 Jahre oder so, mit Texten, die – zumindest für mein Gehirn – alles richtig machen: Es bleibt politisch, weil es heuer politisch und auch explizit politisch bleiben muss („Die Arschgesichter“, „Der Zeuge“), und es kann aber nur dann politisch bleiben, wenn das Politische im Privaten erfahrbar wird, z.B. in „Wolter“, das so schön wie traurig einfach mal die (un-)spektakuläre Geschichte eines Mannes erzählt, der die Schnauze voll hatte:

Of The Wand & The Moon – I Called Your Name
Of The Wand & The Moon – Tunes For A Twilight – Tears For A Nighttime/Lifetime

Kim Larsen (der weniger bekannte) schreibt seit beinahe 20 Jahren immer wieder das gleiche Lied, und zwar das über die große unglückliche Liebe eines einsamen Mannes. Die neueste Version davon heißt „I Called Your Name“ und schafft es schon wieder, mich völlig fertig zu machen. Dazu die beiden „Tunes“-Tapes mit alternativen, intimeren Versionen alter Lieder, ein bisschen Alkohol, und schon wird aus der Nacht ein großer Spaß. Ein wahrer Künstler, ein Botschafter der Liebe und des Lebens, ein Mann, der verstanden hat, dass es nicht vieler Worte oder Töne bedarf, um viel auszusagen.

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FASSEN WIR ZUSAMMEN: Wehmut und Liebe, Pathos und Rumgeheule scheinen für Männer, die zufällig ich sind, sehr wichtig zu sein. Doch hat Männlichkeit noch weitere Facetten? MAL GUCKEN:
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Nocte Obducta – Mogontiacum (Nachdem die Nacht herabgesunken…)

Die Black-Metal-Band Nocte Obducta fällt seit jeher durch Verschrobenheit, musikalische Abwechslung, Alkoholismus und wunderschöne Covergestaltung auf. Letzteres hat man bei diesem Meisterwerk leider vergessen, der Rest ist vorhanden: Selten hat mich ein Album ehemaliger Jugendhelden so begeistert, denn es klingt sowohl anders als auch vertraut, durchgeknallt und eingängig, und es fügt den oben genannten Merkmalen ein weiteres hinzu: Humor. Auf ihrem zweiten Album „Taverne (Im Schatten schäbiger Spelunken)“ posieren Nocte Obducta z.B. im Booklet mit Ananas und Dosenbier, und hier heißt es „Ein Ouzo auf den Nordwind“. Na dann, Prost.

Borknagar – Winter Thrice

Die nächsten Jugendhelden, und wieder alte Männer. 1997 habe ich meine Eltern wochenlang mit „The Olden Domain“ terrorisiert, denn ich war fest davon überzeugt, dass sie es genau so lieben würden wie ich, schließlich war ich ein sensibler nachdenklicher Heranwachsender mit einem hervorragenden Musikgeschmack! Nun, fast 20 Jahre später, kommen Borknagar mit einem Werk um die Ecke, das nicht nur Gastbeiträge des damaligen Sängers enthält, sondern auch in der Melodieführung endlich wieder beherzigt, dass es bei der leidenschaftlichen (und, nun ja, sinnlosen) Verehrung roher Naturgewalt nicht auf größtmögliche Progressivität, sondern auf den größtmöglichen Faustschwing- und Bedeutungsschwanger-in-den-Himmel-gucken-Faktor ankommt.

True Moon – True Moon

Die Faust aus Inbrust in die Luft recken kann man nicht nur mit Heavy Metal. Das geht auch mit Post-Punk! Man höre nur „Sugar“, den vierten Song dieses unglaublich guten Debüt-Albums, und man tue dies laut und mit großen Gefühlen im Herzen – schon muss man die Faust in die Luft recken! Oder weinen. Oder beides! True Moon singen aus einer weiblichen Perspektive über den täglichen Kampf um Leben und Überleben in einer feindlich gesinnten Welt. Das berührt mich sehr, und deshalb freue ich mich darüber, dass ich die Texte der Sängerin (die ansonsten auch bei Vanna Inget aktiv ist, wo sie ähnlich hymnische, aber etwas weniger düstere Lieder singt) hier verstehen kann, denn sie sind auf Englisch.

Panphage – Drengskapr

Und wieder ein Album, das Erinnerungen an die Jugendzeit hervorruft: das Ein-Mann-Projekt Panphage klingt, sieht aus und fühlt sich an wie die allererste Borknagar (1996): ein schäbbiges, aber wunderschönes Naturfoto, ein unfassbares Bandlogo, ein Klang wie ein kaputter Staubsauger, Gekreische, Gerotze und plötzliches Gesinge (der Ausbruch in „Utlagr“ ist Euphorie pur), eine wilde, ursprüngliche Mischung aus Epik und Dreck – „Drengskapr“ ist so ziemlich das perfekte Black-Metal-Album. Die Melodien sind so lieblich, dass man heulen möchte, aber dann fällt einem ein, dass man dafür gar keine Zeit hat, steht doch bereits die nächste blutrünstige Kaperfahrt (5 von 7 Liedern werden mit Meeresrauschen ein- und ausgeleitet!) auf dem Plan. Ach, herrlich, so ein wilder Kerl zu sein! Warum hören Männer sowas? Ich kann nur für mich sprechen, und ich spreche für mich, wenn ich sage, dass das natürlich Eskapismus ist, raus aus der Stadt mit ihren ganzen blöden Leistungsansprüchen, raus aufs Meer mit seinem Wasser und Wind. Ganz schön erbärmlich, aber ich hab halt kein Geld für ein eigenes Schiff!

AJJ – The Bible 2

Dazu ist hier schon vieles gesagt worden. Ein herrlich kathartisches Pop-Album, wie auch schon sein Vorgänger. „I lost it when I learned about the tragedy of all of us.“ Großartig, genau wie dieses Video, an dem wir hervorragend das Phänomen „das Kind im Manne“ studieren können:

Naive – Naive

Wenn man selber eine Band hat, lernt man allerlei interessante und gute Menschen kennen, und ich glaube, die Damen und Herren von der Post-Punk-Band Naive sind da ein besonders glücklicher Zufall gewesen. Wir hatten die Ehre, gemeinsam mit ihnen den Release dieses Albums feiern zu dürfen (und ich habe die erste Platte gekauft, glaube ich!). Aber auch ohne diese persönliche Beziehung ist die Band was besonderes: minimalistisches und unglaublich effektives Songwriting und eine weibliche Stimme, die ihresgleichen sucht (und mittlerweile sogar noch besser geworden ist). Die Songs wachsen mit jedem Durchlauf, sie gingen mir wochenlang nicht aus den Ohren, mit den Texten kann ich mich auch identifizieren, was will man mehr? Ne zweite Platte natürlich. Her damit!

Ulf – Vier gute Lieder

Selten begeistert mich neuer deutschsprachiger Punk so sehr wie auf dieser EP. (Mehr darüber hier). Was war es für eine Freude, die neulich live zu sehen und mit ihnen die Bühne zu teilen! Großartige und große Typen, gestandene Männer, die sich die Seele aus dem Leib spielen und singen und hinterher mit uns zu 80er-Hymnen leichtfüßig die Hüften schwingen lassen. Herrlich!

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Das war also die TOP TEN! Was verrät sie uns über unser Thema MÄNNLICHKEIT? Die Palette wurde ergänzt durch Humor, Punk usw., weiter ging es mit Demonstrationen von Wildheit und Eskapismus. Aber auch Leichtigkeit war Thema, denn das Leben ist ja nicht immer nur Kämpfen und Grübeln für den Mann! Manchmal will er auch feiern. So weit, so gut. Zwei weiblich dominierte Bands waren dabei, was den Schluss nahelegt, dass die dort verarbeiteten Themen, insbesondere (allgemein gesprochen) Ausgrenzungserfahrungen, auch Männer betreffen können. Weitere Kernthemen: Nostalgie und die Beschäftigung mit der eigenen Biografie. Schauen wir mal, wie es weitergeht!
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Erstmal geht es weiter mit INNEHALTEN. Die Welt ist voller Krieg. Das ist sie nicht erst seit gestern. Ein erbarmungsloses Zeugnis des Krieges z.B. ist der sowjetische Film „Komm und sieh“, den sich nicht anschauen sollte, wer schön träumen möchte. Ausschnitte daraus hat Kim Larsen verfremdet und mit einem Lied seines Projekt Les Chasseurs de la Nuit verknüpft. Das ist sehr verstörend und beeindruckend:

Ein weiteres Video, das mich sehr begeistert hat, ohne das mich das dazugehörige Album überzeugen konnte, ist „Wave Goodnight To Me“ von Jeff Rosenstock. Eine Ode an das bescheuerte Gefühl, dass einen irgendwie alle scheiße finden, obwohl das doch bestimmt nur auf höchstens die Hälfte der Leute zutrifft:

Weiter mit den besten Alben:

We The Heathens – The Blood Behind The Dam

Ich habe keine Ahnung, wie das Thema „Geschlecht“ in der Crust-Punk-Szene so verhandelt wird; instrumental haben wir hier jedenfalls eine typische Geschlechterverteilung (die Frau bedient die Geige, die Männer die anderen Saiteninstrumente), aber textlich geht es häufig nur darum, dass man viel trinkt, weil die Welt so schlecht ist und bald (endlich!) untergeht. Und außerdem sind die anderen, also die bürgerlich lebenden Menschen, alle doof. Wenn das auf dem nächsten Album auch noch so ist, wird die Gruppe langsam langweilig, aber hier funktioniert es noch ganz ausgezeichnet und hat mich über viele Wochen sehr erfreut. Liegt vermutlich daran, dass Folk-Melodien auf mich einfach eine sehr hoffnungsvolle, wärmende Wirkung haben, und daran, dass ich halt auch manchmal verzweifelt bin. Wenn Männer verzweifelt sind, schreien sie ja auch gelegentlich, und das hören wir hier ganz gut.

Alte Sau – To Be As Livin‘

Dass ein Mann wie Jens Rachut, der ja erst mit Mitte dreißig als Punk-Sänger bekannt geworden ist, jenseits der 60 immer noch so aktiv und gut ist und seinem Lebenswerk immer nochmal einen oben drauf setzt, macht mir sehr viel Mut und Freude. Das erste Alte-Sau-Album fand ich noch eher durchwachsen, aber „To Be As Livin‘“ hat alles: stark verbessertes Songwriting (mehr Abwechslung, mehr Rhythmus, mehr Melodie) und Rachut-Texte in Hochform (allen voran das herrlich skurrile „Zackenbarsch“).

Amygdala – Population Control

Eine weitere Band, deren zentrales Thema eine weibliche Erfahrungswelt ist. Die Sängerin von Amygdala geht dabei – der Bandname verrät es – an die ganz finsteren Themen ran. Das ist schmerzhaft anzuhören, die großartige musikalische Umsetzung jedoch drückt enorm viel Kraft und Lebenswillen aus, und das ist es, was mich an „Population Control“ letztlich so begeistert: dass hier jemand etwas ungemein schmerzhaftes verarbeitet oder evtl. sogar überwunden hat. „Population Control“ ist ein schwieriges und großartiges Hardcore-Album gegen das Patriarchat.

Scissorbills – Than Thou

Mit am besten an Blackbird Raum gefällt mir ja Caspians Stimme. Als ich erfuhr, dass es ein Solo-Album von ihm gibt, war ich also ganz aus dem Häuschen! Es enttäuscht mich nicht: Zwar singt Caspian hier etwas anders als bei seiner Band, aber das muss so, denn das ist Country-Musik, und Lieder wie „The World“ (mit einem Text und einer Harmonie, die den romantischen Außenseiter in mir liebkosen, dass es nur so kracht) oder „The Surf“ sind von einer ganz wunderbaren, zeitlosen Schönheit und Melancholie, dass sie mir auch ohne Blackbird Raum zu kennen gefallen würden.

Rome – Coriolan
Rome – The Hyperion Machine

Was bin ich froh, dass Jerome Reuter zwei Veröffentlichungen gemacht hat dieses Jahr. Auf dem eigentlichen Album, „The Hyperion Machine“, sitzt er an einer Art Schreibtisch, und um ihn herum sind lauter sinnlose Farbkleckse. Für ein Projekt, das derart ambitionierte Musik macht und bisher immer unfassbar schönes Cover-Artwork hervorgebracht hat, ist das wirklich eine Frechheit. Na ja. Das Album selber ist eine Art Werkschau mit neuen Liedern, die von allem zeugen, was Rome so auszeichnet: extrem melancholischer Folk-Pop mit historischen und literarischen Bezügen aller Art. Die EP „Coriolan“ gefällt mir aber auch musikalisch besser, da ist sogar ein Post-Punk-Song drauf. Natürlich verlässt Reuter dadurch seine Pose des sehr männlichen nachdenklichen Poeten nicht, variiert sie aber in ihren Facetten immer wieder neu, und das ist doch schön.

Moonsorrow – Jumalten Aika

15minütige Lieder aus zwei Riffs zu schreiben, die nicht langweilig werden, ist nicht so leicht. Moonsorrow schaffen das spielend. Es dauert halt ein bisschen, alle Christen abzuschlachten. Jedenfalls gehe ich davon aus, dass die Texte davon handeln, dass wackere Heiden alle Christen abschlachten. Wenn nicht, auch nicht schlimm. Eigentlich bin ich ganz froh, dass ich die Texte nicht verstehe. Emotional wirkt dieses Werk auf mich unglaublich motivierend und euphorisierend; dann gehe ich in den Wald zu meinen Trollfreunden und wir ziehen los, um alle Christen abzuschlachten. Man beachte auch das unglaublich gut gemachte Video zu „Suden Tunti“, ein Trickfilm über die Domestizierung des Mannes durch die moderne Welt (glaube ich!). Am Ende gewinnt das Tier in ihm. Oder so ähnlich, denn er liegt ja noch am Boden. Hm. Ist er tot? Wer war eigentlich der Typ mit dem Helm und dem Schwert? Wieso haben die Zwerge Glatzen? Und sind die jetzt böse oder gut? So viele Fragen:

Einherjer – Dragons Of The North XX

Einherjer kenne ich auch schon seit meiner Jugend, aber „Dragons Of The North“, ihr Debüt-Album, hatte ich nie. Zum Glück! Denn jetzt haben sie es komplett neu eingespielt, und es ist so unfassbar gut. Dass Wikinger soviel Groove haben können, ist schon erstaunlich. Sowieso, Wikinger! NORDMÄNNER! Eigentlich interessiere ich mich kaum für das Thema, aber Wikinger-Metal ist einfach geil. Ich tippe mal, das liegt daran, dass ich voll der Schwächling bin, der so ein Schwert niemals auch nur eine Minute lang geschwungen bekäme, und Kontraste mag ich ja. Außerdem verbreitet Wikinger-Metal ein archaisches Bild von Männlichkeit, das natürlich 1. reaktionär ist, 2. aber andererseits auch so reaktionär, dass es noch hinter das vorherrschende reaktionäre Bild von Männlichkeit (den autopflegenden Mario-Barth-Proll z.B.) zurückfällt. Und es vielleicht abschlachtet! Wär das was? Natürlich nicht. Ich glaube, ich muss dringend ein Bier trinken.

Pisse – Kohlrübenwinter

Heute ein Kind – morgen ein Schwein! Ich bin aber doch gar kein Schwein geworden? Glaube ich zumindest. Immerhin höre ich immer noch die gleiche Musik wie damals, ha! Pisse funktioniert als Gesamtkonzept, Texte, Artwork, Musik, alles. Wenige Worte, große Gefühle: „Aber ich will dein / Fahrradsattel sein“. Die männliche Angst vor dem Zukurzkommen, die männliche Sehnsucht nach Liebe und Sex. Richtig geil. Männer sind ja selten Freunde vieler Worte, fällt mir dabei ein. Außer sie sind Schriftsteller, Philosophen oder Politiker. Hm.

Ein gutes Pferd – Zwischen den Zeilen ist noch Platz

Auch wenn die Produktion hinter der der letztjährigen EP zurückfällt und Cover und Titel mir nichts geben: Diese Platte ist spitze. Sänger Aaron kann richtig geile, treffende Texte schreiben, seine Stimme schrammt immer so gerade an der Nervigkeit vorbei, und die Musik ist einfach perfekt auf den Punkt und macht süchtig. Ein großer Wurf, der der Band ja jetzt schon eine Menge cooler Termine eingebracht hat. „Die Menschen und ihre Grätzigkeit, Ihre Anträge und endlosen Formulare / Soviel Müll hab´ ich im Leben noch nicht gesehen / Der ganze Schrott, Ihre Kinderwagen und Helikopter / Ihre Fernseher und Hinweisschilder / MÄNNER AN SICH und Zuckerrohrschnaps“!

Chefdenker – Eigenuran

Chefdenker! Mehr Männlichkeit, mehr Geschlechterforschung geht nicht. Die Band hat sich früher der Oberkörperfreidiskussion clever entzogen, indem sie einfach auch unterkörperfrei aufgetreten ist, was man ja nun beim besten Willen nicht als „männliches Privileg“ bezeichnen kann. Und dann gab es mit „Facetten der Liebe“ damals ein Lied, das das sexistische Gewaltverhältnis zwischen Männern und Frauen derart treffend in Worte gefasst hat, dass die Band deswegen Auftrittsverbote erhielt. Auf „Eingenuran“, zu großen Teilen ein Konzeptalbum über Dosenbier, geht es hingegen hauptsächlich ums Saufen – eine typische Männerkrankheit. Aber auch „Der Mann, der sich ungern bewegt“ wird thematisiert, außerdem Chris Howland, die Einsamkeit des alkoholkranken LKW-Fahrers Manni und das große Gefühl des Hasses. Und noch mehr! Das überwältigende, dem härtesten Kerl die Tränen in die Augen treibende Finale verrate ich jetzt lieber nicht, aber das war die sechs Jahre Wartezeit auf jeden Fall wert.

Drunk Motorcycle Boy – Try

Eine Band wie Drunk Motorcycle Boy, die nicht nur im Namen totale Männlichkeit reproduziert, sondern auch in der Musik (durch fette Gitarren) und nicht zuletzt in den Texten (durch die Beschäftigung mit dem beliebten Thema „Midlife Crisis“ z.B.), darf hier nicht fehlen. Außerdem ist das Album einfach saugut. Von Beginn an wird dem Publikum vermittelt, dass es scheißegal ist, was alles scheiße läuft im Leben, man kann immer noch was reißen, irgendwie. Durchhalteparolen, okay, aber die funktionieren in den besten Familien, warum also nicht auch bei mir?

Düsenjäger – Treibsand

So eine starke Platte habe ich Düsenjäger nicht mehr zugetraut. Schon die ersten paar Minuten bringen eines dieser Riffs, das zwar immer gleich klingt, aber auch immer wieder neu einen Stich versetzen kann. Und so geht’s weiter bis zum Schluss, wobei mit „Jauchetaucher“ sogar ein bisschen was neues ausprobiert wird (und mir gefällt’s!). Mittlerweile störe ich mich zwar ein wenig an Tobi Neumanns Gesang bzw. dem Kontrast zwischen bedeutungsschwangeren Gestus und hin und wieder ganz schön banalen Texten, aber passt schon! Hier die ersten paar Minuten und der Rest in einem schönen Video, das mich besonders deshalb gefreut hat, weil in diesem Studio auch meine Band ihr Album aufgenommen hat:

Dark Forest – Beyond The Veil

Hier haben wir es wohl eindeutig mit dem Cover des Jahres zu tun. Dieser alles andere als dunkle Wald lädt zum Schwofen ein, wie wir Rheinländer sagen. „Celtic Folk Metal“, ach herrje, das findet ihr alle scheiße, ich weiß, aber egal, ich mag es, wenn Männer sich lächerliche Kostüme anziehen und Humpen schwingend um Feuer tanzen!

PUP – The Dream Is Over

The Weakerthans in laut, schön, dass ich durch das eingangs erwähnte Video auf diese sympathische Band aufmerksam gemacht wurde. Man kann ja nicht immer nur Metal hören, man muss auch mal anders sein Bedürfnis nach Romantik befriedigen.

Saligia – The New Innocence

Für lächerliche 777 Euro kann man sich den Download dieses Albums auf bandcamp kaufen (wenn man keine Platte dazu will). Das ist doch mal kundenfreundlich! Auch sonst sind diese Herren irgendwie, irgendwo, irgendwann auf irgendwas hängengeblieben. Was ich sehr sympathisch finde! „Emoviolence“ gibt mir ja nun nicht oft was, aber Saligia haben jahrhundertelange Erfahrung in diesem Genre und versuchen endlich, echte Melodien und Strukturen in ihren Krach einzubauen. Das ist löblich, das ist sehr gut! Interessant sind auch die Texte: Es geht darum, dass alles, wirklich alles, scheiße ist. Ich kann das nicht unterschreiben, ich finde das verkehrt, denn so eine Denkweise macht krank. Aber interessant ist es allemal. Wie kommt man bloß auf sowas?

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Puh, 25 Alben und wir sind immer noch nicht fertig. Was lernen wir daraus? Worüber habe ich eigentlich die ganze Zeit geschrieben? Genau: DIE DEUTSCHE ROMANTIK! Ich höre ja beinahe ausschließlich reaktionäre, romantische Musik. Das sollte mir zu denken geben, schließlich bin ich Kommunist und der Ratio verpflichtet. Aber man kann halt nicht aus seiner Haut, hm? Nur darüber reflektieren, wie die Haut so aussieht (Neurodermitis, Pickel) und wie es dazu kommen konnte (zu wenig Pflege, Stress), das kann man tun! Man kann auch selber Musik machen, das hilft. Dass ein Label wie Kidnap Music unser Debütalbum veröffentlicht hat, finde ich immer noch ganz wundervoll. Da geht es übrigens auch ziemlich viel um „Gefühl, Leidenschaft, Individualität und individuelles Erleben sowie Seele, vor allem die gequälte Seele“ (Wikipedia zur „Deutschen Romantik“). Liegt vielleicht daran, dass die gequälte Seele eins der eindringlichsten Symptome einer Gesellschaftsordnung ist, die aus Menschen Arbeitskraftbehälter macht. Dann schließt man sich schonmal ein in seiner Festung und sieht vielleicht so aus:

War 2016 also musikalisch alles töfte? Nein. Einige berühmte Leute sind gestorben, ein weniger berühmter leider auch: Erik Petersen. Das beklemmende Gefühl, zusammen mit einem lieben Freund und Eriks deutschen Labelchef anlässlich seines Todes ein Bier zu trinken, war ein ziemlich intensives, surreales Erlebnis. Und der anschließende Gang zum Konzert einer malaysischen Queercore-Band namens „Shh… Diam“ in einem besetzten Areal nahe des Weserstadions aber auch. Licht und Schatten liegen oft nah beieinander, aber das ist es ja nun, was dieses Leben so spannend macht, nicht wahr. Weiteres zum diesjährigen Re-Release von „Smash The Windows“ und zum Tode Erik Petersens hier.

Weitermachen!

Nachträge:
The Furrow Collective – Wild Hog
Shirley Collins – Lodestar
Wolcensmen – Songs from the Fyrgen
Voodoo Jürgens – Ansa woarn
Woman Is The Earth – Torch Of Our Final Night
Schreng Schreng & La La – Echtholzstandby
Wedrujacy Wiatr – O turniach, jeziorach i nocnych szlakach

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Zur Schließung des „Salon Fink“ und einer typischen Reaktion darauf http://balkon.blogsport.de/2016/11/27/zur-schliessung-des-salon-fink-und-einer-typischen-reaktion-darauf/ http://balkon.blogsport.de/2016/11/27/zur-schliessung-des-salon-fink-und-einer-typischen-reaktion-darauf/#comments Sun, 27 Nov 2016 14:45:12 +0000 Administrator Allgemein http://balkon.blogsport.de/2016/11/27/zur-schliessung-des-salon-fink-und-einer-typischen-reaktion-darauf/ An merkwürdigen Texten über die Dortmunder Nordstadt mangelt es ja nun nicht, aber anlässlich der wirtschaftlich bedingten Schließung des „Salon Fink“ auf dem Nordmarkt sind in letzter Zeit nochmal zwei hinzugekommen, von denen ich einen aktuellen so ärgerlich finde, dass ich ihn mal ausführlicher kritisieren möchte: http://www.derwesten.de/staedte/dortmund/wie-sich-der-nordmarkt-im-november-2016-anfuehlt-id12390255.html

Immerhin ist Felix Guth (sic!) so anständig, seine Perspektive kundzutun, die eines Menschen aus einer Welt nämlich, die von der des Nordmarkts ungefähr so weit entfernt ist wie der Mond, und der deshalb Angst davor hat: „Angereist aus einem behüteten Teil dieser Stadt. Zugleich fasziniert von der ungeheuren Verdichtung sozialer Milieus in der Nordstadt, von der Dynamik. Und überfordert damit, dass das auch unangenehme Folgen haben kann. Es ist die Perspektive derjenigen, die wieder wegfahren von hier in eine illusorische Sicherheit. Nicht die derjenigen, die hier ihre Existenz haben. Was ich an diesem Novemberabend sehe: Menschen, viel mehr Menschen als an den meisten anderen Orten der Stadt. Was sie genau tun, ist nicht zu erkennen. Aus der Distanz sieht es nicht aus wie etwas Verbotenes. Aber auch nicht wie etwas, bei dem man unbedingt dabei sein möchte oder sollte. Vor Cafs und Hauseingängen stehen Menschengruppen. Aus dem dunklen Park lärmt es. Jugendliche jagen sich zum Spaß, Geschrei-Fetzen künden von einem Streit. Ein normaler Abend.“

Man muss sich das mal vorstellen: Da sitzt ein gut verdienender „Journalist“ in seinem Auto und traut sich nicht raus, weil um ihn herum lauter Menschen sind. Die sogar Geräusche machen. Wahnsinn! Wie hält dieser Mann es bloß in der Fußgängerzone aus? Na, egal, es geht ja um den Nordmarkt, diese andere, fremde Welt: „In den Sommermonaten sei es noch voller, sagen die Menschen hinter der Glasfassade des 2008 eröffneten Gastronomie-Pavillons. Unerträglich voll.“ Der Nordmarkt wird hier – objektiv betrachtet – als Erfolgsmodell beschrieben, als öffentlicher Ort, der von Menschen gerne und viel genutzt wird. Für Menschen wie Guth und das Stammpublikum des „Fink“ ein „unerträglicher“ Zustand. Irgendwie irre. Aber was genau ist eigentlich unerträglich?

„Es ist, so wird es in Gesprächen mit Kati Eilinghoff und anderen langjährigen Begleitern des Salon Fink deutlich, nicht das eine große Ereignis, das den Rückzug ausgelöst hat. Sondern die Summe vieler kleiner Ärgerlichkeiten. Von Pfefferspray auf dem Weg zur Arbeit, rund um die Uhr lärmenden Menschen. Kontrolllosen Kindern, die belästigen und stehlen, weil sie es nicht besser kennen.“

Frau Eilinghoff verbringt selbstverständlich mehr Zeit auf dem Nordmarkt als ich. Ich möchte diesem Potpourri an Gräueln trotzdem etwas entgegensetzen: Ich bin oft zu Fuß in der Nordstadt unterwegs, ich gehe viel ins Kino, zu Freunden, zum Bahnhof u.v.m., und immer gehe ich dabei über den Nordmarkt, denn er liegt auf dem Weg, und ich mag die Architektur des Platzes, der auf mich wie eine einzigartige innerstädtische Oase wirkt. Pro Woche gehe ich etwa sechs Mal darüber – auch mal nachts –, das macht über 1000 Mal allein in den letzten vier Jahren. Meistens freut mich der Anblick der Familien mit ihren fröhlich spielenden Kindern (die offensichtlich wenig erzogen sind, ja, aber was geht mich das an? An anderer Stelle beklagt man sich über Helikopter-Eltern und Kinder, die nur noch vor Bildschirmen sitzen, und hier spielen Kinder den ganzen Tag Fußball mit Dosen, und das soll dann auch wieder verkehrt sein?); ich genieße die Lebendigkeit dieses Ortes. Ja, oft habe ich Mitleid mit vereinzelten Prostituierten und den alteingesessenen Alkoholikern. Und mit dem „Fink“, denn da sitzt meistens Frau Eilinghoff vor und langweilt sich. Aber noch nie, nicht ein einziges Mal, hat mich irgendjemand belästigt. Einmal ist es vorgekommen, dass ein Kind mich gefragt hat, ob es meine Pizza haben kann, denn es habe Hunger. Das war’s.

Aber weiter im Text, jetzt wird es ein bisschen helle:

„Die mit verschiedenen öffentlichen Programmen aufgehübschte Grünfläche, so schrieb es vor vier Jahren „Die Zeit“, erinnere an die Parks in Paris. Das ist gar nicht einmal ganz übertrieben und könnte doch falscher kaum sein. Hier flanieren die Menschen nicht. Hier fristen sie ihr Dasein. In dem der Alltag auch daraus besteht, an der Straße auf Arbeit zu warten, geheimen Geschäften nachzugehen oder den trostlosen Tag mit hartem Alkohol, aber zumindest nicht allein zu verbringen.“

Zwar wird auch hier wieder das Positive einfach ausgeblendet – Familien, die den Park und den Spielplatz als Aufenthaltsort nutzen, als das, wozu er nun einmal gedacht ist! –, aber das Beschriebene gibt es ja tatsächlich. Und warum? Im Kapitalismus ist Armut notwendig, systemimmanent, unangenehme Realität – Realität, die sich ihre Räume sucht. Man könnte sich mal Gedanken darüber machen, warum das so ist, wie Armut entsteht, was sie mit Menschen macht. Davon will Guth aber nichts wissen, er will sich nur ekeln, abschotten, ratlos und mit gnadenlos negativer Brille das Elend betrachten, ja, sich von ihm persönlich angegriffen fühlen: „Zwischen „Cafe Europa“, Schleswiger Straße und der“Malli“ sind die Abgründe Alltag. Der jetzt auch diejenigen in die Knie gezwungen hat, die sich jahrelang dafür eingesetzt haben, dass es hier ein Gegengewicht zu sozialen Problemen, Einsamkeit und Ziellosigkeit gibt.“ Dass Lokale wie das „Fink“, das sein ganzes Konzept (mit Tatort-Rudelgucken, Bingo-Abenden, Indie Rock und teurem Bier) auf typisch deutsche Normkultur ausgerichtet hat, hier zum „Gegengewicht“ zu Armut und Elend erklärt wird, ist natürlich so lächerlich, dass es kracht. Aber es ist auch symptomatisch: Leuten wie Guth fällt zu Armut nur die Bedrohung der eigenen Existenz ein, nicht einmal für Mitgefühl ist da noch Platz. Sie sind deutsche Spießer, die ihre Ruhe haben wollen:

„Drinnen beginnt der Konzertabend, die Wirklichkeit bleibt draußen. Das war vielleicht das, was den Salon Fink über die Jahre so beliebt gemacht hat. Eine Blase des Wohlfühlens. Gemeinschaft und Wärme hinter der Glastür, der vermeintliche Angstraum davor. Das Signal, das nach draußen strahlt: Hier passiert etwas Gutes, bekämpft es nicht.“

Wir sind die Guten, ihr die Bösen, die „Zombies“, wie der andere von mir angesprochene Text aus diesem Milieu (auf dem Blog „Last Junkies On Earth“) schon vor einigen Wochen schrieb. Und gut können wir sein, weil wir Geld haben. Das „Fink“ erscheint in diesem Bild wie z.B. die Apotheke aus der ersten Episode des „The Walking Dead“-Spiels: Die letzten verbliebenen Menschen müssen sich verschanzen, weil die menschenfressenden Monster bereits an der Tür scharren. (Und mal davon abgesehen, Herr Guth: Das Wort „vermeintlich“ bedeutet „(irrtümlich, fälschlich) vermutet, angenommen; scheinbar“, also hier, dass es vor der Tür gar keinen Angstraum gibt. Wollten Sie das wirklich sagen? Genau. Setzen, sechs!)

Den Rest des Textes über bemüht Guth sich dann darum, den menschenverachtenden ersten Teil zu relativieren. Aber auch dabei macht er sich lächerlich, etwa, indem er die zitierten vernünftigen Aussagen des Quartiersmanagers dadurch ungültig macht, dass er behauptet, es gebe ständig Rückschritte. Oder wenn er das „Fink“ als „subkulturelles Gegengewicht“ bezeichnet. Nochmal: In dem Laden gab es Bier für drei Euro, Tatort-Abende und Indie-Konzerte; mehr Mehrheitskultur für Besserverdienende geht gar nicht. Die echten subkulturellen Orte in der Nordstadt – den „Nordpol“ z.B., der auch im Quartier liegt und deutlich besser damit zurecht kommt, weil er sich um ein integratives Konzept bemüht und nicht profitorientiert arbeitet – kennt Guth wahrscheinlich nicht einmal.

Der mediale Aufschrei über die Schließung eines stinknormalen kommerziellen Ladens wie dem „Fink“ bei gleichzeitiger Ignoranz des tatsächlich stattfindenden sozialen und subkulturellen Aktivismus in der Nordstadt – es ist schon ein Jammer, symptomatisch für eine brutale Klassengesellschaft, in der Vereinzelung und Konkurrenzdruck dafür sorgen, dass Menschen wie Felix Guth Armut und ihre Symptome nur noch als ekelige Gefahr wahrnehmen können. Weshalb sein Schluss dann wie eine Drohung wirkt: „Wie es hier wirklich läuft, kann ganz sicher ein einziger Abend nicht zeigen. Aber er überzeugt mich davon, mich nicht damit abfinden zu wollen, dass alles bergab geht.“

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MUSIKALISCHER JAHRESRÜCKBLICK 2015 http://balkon.blogsport.de/2015/12/27/12/ http://balkon.blogsport.de/2015/12/27/12/#comments Sun, 27 Dec 2015 18:47:52 +0000 Administrator Allgemein http://balkon.blogsport.de/2015/12/27/12/ Aloha!!

Ich hatte ein sehr schönes und erfolgreiches Jahr mit meiner kleinen Punk-Band NO°RD, und da bin ich sehr dankbar für. Hier seht ihr mich und meine Freunde auf Tour:

Haha, Spaß, wir tragen gar keine Lederjacken, und außerdem sind wir zu fünft! Super Video und Lied, das Album „Heinz“ ist aber eher so mittel, obwohl „Heinz“ ja ein guter Name ist, z.B. heißt mein Idol Heinz Strunk ja auch Heinz! Na ja. Freut ihr euch? Ja? Schön. Ich mich auch! Also, manchmal zumindest. Das war dieses Jahr nicht immer so! Jetzt funktioniert es wieder einigermaßen. Sechzehn gute Gründe dafür findet ihr in der folgenden Liste:

Black Tower – The Secret Fire

Nicht nur das Album des Jahres, sondern des Jahrzehnts und überhaupt von allem. Drei Punk-, Metal- und Tolkien-Nerds aus Kanada spielen 80er-Power-Metal. Es ist das beste Album, das jemals aus diesem Genre gekommen ist, und, wie gesagt, das beste Album aller Zeiten. Vor kurzem saß ich mit einer Dose „5,0″ am Hals und „The Secret Fire“ auf den Ohren im Regionalzug und weinte vor Glück (fast). UN-GLAUB-LICH GEIL!

mewithoutYou – Pale Horses

Ein sehr originelles, hartes, düsteres Album von mewithoutYou, eines, das man ein paar mal hören muss, um es dann ca. 100mal hören zu müssen. Extrem hohe Langzeitwirkung, sowohl traurig als auch hoffnungsvoll, unkommerziell, künstlerisch wertvoll, wirkt sogar bei Depression: ICH EMPFEHLE ES!

Stick in the Wheel – From Here

Englischer Folk aus den Kneipen Ost-Londons. Die Sängerin hat so eine geil angepisste Stimme. Ich war ein paar mal in London dieses Jahr. Schön da!

We The Heathens – Regicide

Rein akustischer Crust Folk Punk mit Texten übers Trinken, Dreckigsein, die Verkommenheit bürgerlichen Lebens und darüber, dass Mutter Natur bitte endlich mal gewinnen soll gegen die bösen Menschen. Ich fühle es! Natürlich finde ich es teilweise inhaltlich nicht so gut, aber oh, wie ich es fühle! (Gratis oder gegen Spende auf ihrer Bandcamp-Seite unbedingt runterzuladen! Gerne hätte ich auch „Let it fall“, die Solo-EP von einem der Heathens verlinkt, aber er hat sie runtergenommen. Schade.)

Myrkur – M

Ein Album voller Glück, Wäldern und Elfen, als wäre man wieder in den 90ern und lauschte irgendeiner x-beliebigen lieblichen Stimme abwechselnd mit wildem Gekeife. Herrlich!

Tocotronic – Das Rote Album

Tocotronic ist mit diesem Werk ein wunderschönes und sehr ungewöhnliches Album über die Liebe gelungen. Trotz der hohen Zuckrigkeit wollte ich es immer wieder hören. Oder gerade deswegen! Gibt es eigentlich noch eine Happy-Rave-Szene? Ich würde sie mal auschecken. Dirk von Lotzow hätte bestimmt nichts dagegen!

Love A – Jagd & Hund

Love A traten dieses Jahr beim KAZ Open Air in Herne auf, vor den üblichen 50-100 Zuschauern, und sie gaben alles. Das war ein perfekter, unbeschwerter Tag, einer der wenigen in diesem Jahr, und sie hatten maßgeblichen Anteil daran. „Jagd & Hund“ geht zwar den Weg alles Irdischen (also Richtung Rollstuhl), aber das macht nichts, denn im Herzen ist es schon noch ganz schön asozial.

Freiburg – Brief & Siegel

Man kann natürlich auch den Weg alles Himmlischen gehen und immer HÄRTER werden. Freiburg kommen aus so niedlichen Orten wie Harsewinkel, Gütersloh und London, UM ALLES ZU ZERSTÖREN. Dabei sind sie meganice Dudes, die ich ins Herz geschlossen habe. NO°RD durften schon zweimal mit ihnen zusammen ran! Geil. Kann nächstes Jahr nur NOCH geiler werden. Mit „Brief & Siegel“ hatte ich anfangs so meine Probleme, weil ich den Vorgänger „Aufbruch“ so liebe, vermutlich gerade wegen dessen schlechtem Sound. Aber das neue ist nach ein paar Durchläufen auch top. Der absolute Über-Hit ist „Sommer, Roggen & Er“, das Video gibt einen guten Eindruck von der Niceigkeit der Herren:

Franz Nicolay – To us, the Beautiful

Franz Nicolay hat es schon wieder getan: tolles Album, beschissenes Cover. Was ist da bloß los? Na ja, egal. Der Fö hat ihn dieses Jahr nach Dortmund geholt, und dort HABE ICH MIT IHM GESPROCHEN. Das war sehr schön. „To us, the Beautiful“ ist für meinen Geschmack zuviel Rock und zuwenig Folk, aber was tolles und besonderes ist es allemal.

Zugezogen Maskulin – Alles brennt

Ich bin kein Fan von Kritik an Hipstern (billig) und Hip Hop (keine Gitarren), deshalb habe ich „Alles brennt“ lange ignoriert. Erst „Plattenbau O.S.T.“ eröffnete mir den Zugang zu diesem Kleinod deutschen politischen Liedermachertums, da es mein Bedürfnis nach Pathos und Melodie befriedigt. Danach empfand ich auch den Rest als sehr gewinnbringend, z.B. als (ohren-)betäubenden Soundtrack für einen hasserfüllten Stadtbummel. Toll!

Blackbird Raum – Destroying

„False Weavers“ war vor zwei Jahren von Januar an schon unangefochten mein Album des Jahres, da konnte „Destroying“ natürlich nur gegen verlieren. Und das, obwohl meine Lieblinge von der Irish-Folk-Band Lynched hier mitgewirkt haben. Leider stinken aber sowohl Produktion (irgendwie zu dünn) als auch Songs (irgendwie zu, na ja, vertrackt) gegenüber „False Weavers“ tatsächlich ab. Und ich habe es leider nicht geschafft, ein Konzert der Europa-Tour zu besuchen.

Jeff Rosenstock – We Cool?

Ein Indie/Punk-Konzeptalbum über Depression, sehr ehrlich, sehr wahr, sehr lebensfroh und voller Ohrwürmer. Video und Text zu „Nausea“ könnten es nicht besser ausdrücken:

K.I.Z. – Hurra, die Welt geht unter

Auch bei K.I.Z. habe ich das Gefühl, dass das politische Liedermachertum mittlerweile im Hip-Hop eine neue (und gute) Heimat gefunden hat. „Hurra, die Welt geht unter“ ist voller trauriger Geschichten und Hass und Wut auf den Kapitalismus, es ist eine große Freude. Man verzeiht ihnen sogar den schlagerhaften Titelsong, der auf dem Album aber sogar ganz gut kommt, denn davor kommt „Was würde Manny Marc tun?“, das in die Geschichte eingehen wird, als was auch immer, und zusammen ist das wirklich großartig und würde den Genossen Franz-Josef Degenhardt, durch dessen Katalog ich mich in diesem Jahr endlich mal intensiv durchgearbeitet habe, wohl sehr glücklich machen. Außerdem mag ich Schlager ja eh.

Mischief Brew – This Is Not For Children

Die Alben für Kinder gefielen mir besser! Erik Petersen hat wirklich einen passenden Titel gefunden, denn das neue Mischief-Brew-Album klingt sehr rockig und erwachsen, gar nicht mehr so folkig und verspielt wie mein All-Time-Favourite „Smash The Windows“. Es ist natürlich trotzdem ein prima Album!

Jottnar – Burn & Bury

Sehr schöne EP mit Demo-Charakter. Black Metal aus der Hardcore-Ecke ist ja eigentlich nicht so meins, aber diese Engländer haben irgendwas, was mich immer wieder auf play hat klicken lassen.

Ein gutes Pferd – Robotertauben

Jetzt hätte ich beinahe Ein gutes Pferd vergessen. Scheiße. „Robotertauben“ ist eine großartige Platte (vor allem das letzte Lied mit dem geilen Dackelblut-Einfluss), und wir haben drei wunderbare Konzerte mit ihnen zusammen gespielt. Ich konnte nicht immer mit soviel Zuneigung angemessen umgehen, aber ich habe es versucht, und ich übe ja auch noch! Bis demnächst!

Hoffentlich erscheint 2016 dann auch mal unser Album. Es fehlt immer noch ein Titel!

Nachträge:
Arcturus – The Arcturian Sign
Grift – Syner
Gloryhammer – Space 1992

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Tagebuch III http://balkon.blogsport.de/2015/06/19/tagebuch-iii/ http://balkon.blogsport.de/2015/06/19/tagebuch-iii/#comments Fri, 19 Jun 2015 08:30:38 +0000 Administrator Allgemein http://balkon.blogsport.de/2015/06/19/tagebuch-iii/ Hallo!

Ich steige heute in ein Flugzeug. Sollte dieses abstürzen, möchte ich ein paar letzte Worte loswerden: KAUFT TICKETS FÜR DIE KOMMENDEN BIERSCHINKENFESTE (http://www.bakraufarfita-records.de/shop/konzertkarten). Sollte es nicht abstürzen, werde ich einen Bierschinkenbericht über meine Reise verfassen, irgendwann nächste Woche. Das wird schön.

Warum ist der Ruhestand Stefan Raabs ein Medienthema? Ich habe den Mann seit etwa zehn Jahren nicht mehr wahrgenommen, und ich bin schließlich der Nabel der Welt. Egal. Vermutlich fällt das unter „Die Welt ist zu komplex“ oder „Der Mensch ist schlecht“. Beides Quatsch. Die Welt ist pillepalle, der Mensch eigentlich ganz okay. Denkt mal drüber nach, während ihr die Karten kauft.

Zwei Veranstaltungstipps: 25.6. Punk im FZW, 26.6. „Komm in meinen Wigwam“ von Wenzel Storch, Theater Dortmund. Lektüre: „Ein Grabstein für Jack Taylor“, aus dem Englischen ins Deutsche übertragen von… genau. Bestimmt ein schlechtes Buch, aber die ersten acht habe ich auch schon gelesen, und ich bin in Stimmung.

Kommt jemand mit zu Studio Braun, 16.10., Köln? Ja, es ist bald schon wieder Oktober. Jedes Jahr Vorfreude, und dann ist alles sofort wieder vorbei, z.B. auch die Bierschinkenfeste (Karten kaufen, s.u.!). Man sollte sich jetzt schon auf den Sommer 2016 freuen, vielleicht bringt das was. Auf die Reise heute freue ich mich seit zwei-drei Monaten wie blöde, ich lebe quasi dafür, und jetzt würde ich plötzlich lieber im Bett bleiben. DAS IST DOCH BEKLOPPT, aber nicht zu ändern, außer vielleicht, wenn man so Tabletten dagegen nimmt. Apropos, Arztbesuche, reine Schikane, man sollte alle Tabletten einfach so geschenkt kriegen. Darauf wird es sowieso hinaus laufen, die Suizidrate steigt ins Unermessliche, die Regierung reagiert, Tablettenausschank an jeder Ecke, irgendjemand muss sie schließlich noch wählen.

Man wird ja wohl noch träumen dürfen. Neulich habe ich geträumt: Jesus ist in der SPD und hält eine Rede im U-Bahn-Schacht. Alle sind begeistert, nur ich nicht, ich gehe weg. Narzissmus pur, zum Kotzen, wer soll sich sowas anhören, ich ganz bestimmt nicht! Leider habe ich vergessen, wohin ich dann gegangen bin, das war nämlich auch lustig, aber eigentlich ja auch egal, ach, scheiße.

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Tagebuch II http://balkon.blogsport.de/2015/05/27/tagebuch-ii/ http://balkon.blogsport.de/2015/05/27/tagebuch-ii/#comments Wed, 27 May 2015 09:29:13 +0000 Administrator Allgemein http://balkon.blogsport.de/2015/05/27/tagebuch-ii/ Guten Morgen!!! Tag fünf meines Urlaubs. Misstrauisch spaziere ich zum Bäcker: Sind SIE wieder hinter mir her? Dumme Frage, nie ist jemand hinter mir her. In einem Schaufenster liegt ein Schild: „Soko Baklava“.

Es ist vier Uhr morgens. Merve, Sheyma und Aysegül stopfen wie jede Nacht kiloweise Rauschgift in Gebäck. Es ist ihr Job. Nie hat sich eine von ihnen beschwert, denn was würde es nützen? Die Kinder müssen durch die Schule, alle drei haben jeweils ungefähr vier Jungs, es herrscht Krieg im Kinderzimmer, Psychologen rennen ihnen die Bude ein, hin und wieder ist auch einer vom Jugendamt dabei. WAS TUN? Scherze machen. Gerade lacht Merve wieder dreckig über einen Witz Sheymas über die mageren Schlafzimmer-Fähigkeiten ihres Mohammeds, da poltert es an der Tür, und ein Mann mit wirrem Haar hält den drei Frauen eine Knarre ins Gesicht. Es ist Kommissar Thomczyk von der SoKo Baklava. „HOCH MIT DEN KLEBRIGEN FINGERN!“, brüllt er, „WO SIND DIE HINTERMÄNNER?!“

„Wir nix sprechen Deutsch“, versucht es Aysegül mit dem alten Trick, muss aber selber drüber lachen, also lacht Thomczyk mit, während er ihr Handschellen anlegt. Mohammed, der älteste der fünf Söhne Merves, kommt durch die Tür und kriegt auf der Stelle einen Pistolenlauf ins Genick. Der übereifrige Wachtmeister Hauke mal wieder! Thomczyk hat nichts gesehen, da hat er Routine drin. Alle werden abgeführt. Vor der Tür stehen fünfzig Bulgaren mit Baseballschlägern, und…

Weiter bin ich noch nicht. Vielversprechend, oder? Was einem halt so durch den Kopf geht, wenn man sich auf die kommenden Punk-Konzerte freut! Nicht nur auf die beiden offiziellen (HABT IHR SCHON KARTEN GEKAUFT? http://www.bakraufarfita-records.de/shop/konzertkarten), sondern auch auf das inoffizielle Bierschinken-Fest davor. Und auf das „Racoone Records“-Fest am Freitag in Düsseldorf. Wenn ich nur nicht zum Frisör müsste! Frisör ist schlimmer als Zahnarzt. Die Wohnung will auch mal wieder geputzt werden, ach was: Da muss GRUND rein. Ich nehme an, das ist auch metaphysisch gemeint, wenn man das so sagt: Die Wohnung braucht einen Grund für ihre Existenz. Ich kann den nicht liefern, tja, scheiße, so wird sie weiter vor sich hin dümpeln. Macht aber auch nichts. Lange Rede, kurzer Sinn: Mehr Mut zum Dümpeln. Wenn alle mehr dümpeln würden, gäbe es weniger Krieg. Was gäbe es stattdessen? Liebe, Frieden, Gruppensex. Carpe diem, alles wird gut!

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Tagebuch I http://balkon.blogsport.de/2015/05/27/tagebuch-i/ http://balkon.blogsport.de/2015/05/27/tagebuch-i/#comments Wed, 27 May 2015 09:15:36 +0000 Administrator Allgemein http://balkon.blogsport.de/2015/05/27/tagebuch-i/ 23.5.

Habt ihr eigentlich schon Karten für die kommenden bierschinken​-Feste gekauft? http://www.bakraufarfita-records.de/shop/konzertkarten

Mein Bauch ist wie eine Kugel. Ich weiß nicht, was das soll. Manchmal wünsche ich mir, ein kleines Kind würde damit Fußball spielen, nur, damit sie weggeht. Aber sie ist da, sie ist immer da.

Gerade war ich laufen, gegen schwere Nackenverspannungen und ganz generell gegen das Elend dieser Welt. Ich glaube, es hat ein bisschen was gebracht, aber die Kugel ist noch da. Ein mir nahestehender Mensch erzählte mal, dass er sich nach drei Einläufen wie neugeboren fühlte, ich glaube ihm nicht.

In Ahlen gibt es einen Kugelbrunnen. Der ist da, seit ich denken kann. Manchmal gehe ich daran vorbei und sehe, dass daneben eine weitere Skulptur entstanden ist, ein Krebsgeschwür, das sich neben der Kugel pudelwohl fühlt. Als Kind fand ich es faszinierend, die Kugel anzuschieben, damit sie nass wird.

Was man als Kind halt so macht. Insekten faszinierend finden z.B. Gestern flog ein dickes brummendes Ding in meine Küche. Ein Maikäfer!, jubilierte ich, doch es war nur eine Wanze. Ich betrachtete mir das widerliche Vieh, es war eigentlich ganz schön, aber eigentlich auch egal. Ich meine, es ist wirklich vollkommen egal. Wie schrecklich es sein muss, als Wanze zu leben. Oder? Wanzen haben kein Interesse an Punk-Konzerten, aber DU, DU hast ein Interesse daran, also KAUF DIR DEINE KARTEN NOCH HEUTE, ehe es zu spät ist!

..

21.5.
Liebe Freundinnen und Freunde,
die Welt ist schlecht. Ihr seid gut. Um das zu unterstreichen, müsst ihr AUF DER STELLE Konzertkarten für die zwei Bierschinken-Feste dieses Jahr kaufen. Sie werden nämlich auch gut. Sich gut fühlen ist wichtig. Ich habe diese Woche mich sehr gut gefühlt, aber auch sehr erschöpft und ein bisschen traurig, denn ich habe zwar selber ein Konzert gegeben (das sehr gut war), aber kein einziges Konzert von Blackbird Raum in NRW gesehen. Damit ihr diese merkwürdige Gefühlsmischung nicht auch ertragen müsst, solltet ihr – ich wiederhole mich – AUF DER STELLE Konzertkarten für die kommenden Bierschinken-Feste kaufen.
AUSSERDEM darf ich euch dazu einladen, mit meinen Freunden von NORD und mir zusammen am 25.6. ein ausschweifendes Konzert mit The World/Inferno Friendship Society zu erleben (wir spielen auch, drei Stunden vorher, aber auf der gleichen Bühne und im FZW, wo zufällig auch die beiden Bierschinken-Feste stattfinden, für die ihr ja so schnell wie möglich die Karten kaufen solltet).
Hier der Link zu den KONZERKARTEN: http://www.bakraufarfita-records.de/shop/konzertkarten
Ich wünsche euch noch einen schönen Abend.
Euer Andreas
P.S.: Am Pfingstmontag spielt ROT WEISS AHLEN, der einzige Fußballverein Deutschlands, der sich satzungsgemäß ausschließlich in Versalien schreibt, eines seiner letzten Saisonspiele vor dem designierten Aufstieg in die Regionalliga West. Ich konnte leider nicht beim Auswärtsspiel in Aplerbeck zugegen sein letzten Sonntag; aber ihr bestimmt alle, deshalb seid ihr auch heiß drauf, nochmal einen so berauschenden Sieg zu erleben, nehme ich an. Also, man sieht sich!
P.P.S.: Am 29.5. findet in Düsseldorf ein Konzert von Cocktailbar Stammheim u.a. statt. Ich suche Mitfahrer*innen.
P.P.P.S.: KOMMT ALLE MIT zum Auftritt von Sean Bonnett von Andrew Jackson Jihad am 31.5. in Köln. Vorher ist ein Auswärtsspiel von ROT WEISS AHLEN in Sprockhövel, ja, wirklich, in Sprockhövel, das liegt auf dem Weg, irgendwie, passt schon. Ach, ist das alles aufregend.

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Schwein gehabt. Mike Krüger und die westliche Welt http://balkon.blogsport.de/2013/03/18/schwein-gehabt-mike-krueger-und-die-westliche-welt/ http://balkon.blogsport.de/2013/03/18/schwein-gehabt-mike-krueger-und-die-westliche-welt/#comments Mon, 18 Mar 2013 16:27:10 +0000 Administrator Allgemein http://balkon.blogsport.de/2013/03/18/schwein-gehabt-mike-krueger-und-die-westliche-welt/ Dieser Beitrag wurde vor drei Jahren auf der Toilette der ehemaligen Redaktion GAWKER gefunden. Nach der Säuberung von diversen anzüglichen Schmierereien am Rande wird er nun dem Blogsport-Archiv übergeben.

Schwein gehabt. Mike Krüger und die westliche Welt

Als Kämpfer für Zivilisation und Freiheit ist Mike Krüger selten gewürdigt worden. Aber warum? Ist dem bekannten Barden nicht bereits an der Nasenspitze anzusehen, für welche Sache er einsteht? Viele Menschen sagen: nein. Aber viele Menschen haben Unrecht, sind dumm und kaufen bei OBI. Anstatt sich einmal Rat zu holen, wie man den Nippel richtig durch die Lasche zieht, gehen sie den Pfad der verhetzten Barbaren. Was Krüger dazu zu sagen hat, soll eine kritische Analyse eines der strahlendsten Werke seines Oeuvres zeigen: des Liedes „120 Schweine nach Beirut“.

In diesem durch musikalische Einflüsse aus dem freien Westen schon ganz eindeutig positionierten Kleinod versetzt Krüger sich in die Lage eines aufrichtigen deutschen Arbeiters, der von seinem Vorgesetzten, einem typisch deutschen Menschenschinder, in die unangenehme Lage versetzt wird, 120 Schweine nach Beirut zu bringen:

Ich fahr so gerne LKW, bei Tag und auch bei Nacht,
doch jetzt gab mir mein Boss diese seltsame Fracht.
In Deutschland fuhr ich Heizöl und manchmal auch Beton,
doch dann wollt ich ins Ausland fahr‘n, das hab ich nun davon.

Krügers LKW-Fahrer ist Hedonist, kennt aber – ganz der marxschen Dialektik verpflichtet – sowohl die Gefahren des dezidiert nahöstlichen Auslands als auch die betonköpfige Engstirnigkeit seines deutschen Gefängnisses und reflektiert darüber: Das hat er nun davon. Und das ist es, was er davon hat:

Ja, mein Bruder ist Beamter, der hat’s gut,
denn ich fahr 120 Schweine nach Beirut.

Der einfache Mann, der eben kein Beamter ist, wird von seinem Vorgesetzten nach Beirut geschickt; als autoritärer deutscher Charakter fügt er sich in sein Schicksal:

Ja, ich fahr 120 Schweine nach Beirut,
es ist schon toll, was man für Kohle alles tut.
Nachts fahr ich bei Kälte und am Tag fahr ich bei Glut,
ja ich fahr 120 Schweine nach Beirut.

Mühen scheut er dabei keine: „Es ist schon toll, was man für Kohle alles tut“ – Krüger weiß um die Brutalität des ganzen Falschen, er hat das System durchdrungen, ist Teil der Totalität, ein Barde des Systems, ein Barde der Kritik: „Ja, ich fahre 120 Schweine nach Beirut“, mitten hinein in die Fratze des Antisemiten, an die Front der Demokratie, jener janusköpfigen Schönen, die zu verteidigen auch der deutsche Lastwagenfahrer stets die Pflicht hat, soll nicht Terror und Chaos von Osten her den Planeten regieren. Doch zunächst geht es auf den Rastplatz:

Am Rastplatz stand ne Tramperin, die wollte nach Madrid,
und weil das auf der Strecke lag, nahm ich sie eben mit.
Wenn die jetzt bloß den Mief nicht riecht, hab ich bei mir gehofft,
doch sie hält sich die Nase zu und fragt „hast du das oft?
Musst du mal eben raus, ist dir nicht gut?“
Ich sage „nein, ich fahr nur Schweine nach Beirut.“

Aber weil er Schweine nach Beirut fährt, scheitert die Beziehung; sie hat angesichts der prekären Fracht und des Fahrtziels, das in einem Akt von mutiger Avantgarde in die Nähe von Madrid gerückt wird – eine Anspielung auf den Franco-Faschismus? Auf den spanischen Bürgerkrieg? Auf beides! –, keine Chance. Ja, schlimmer noch: der Gestank der Lohnarbeit überträgt sich auf unseren wackeren LKW-Fahrer, und Krüger wäre nicht Krüger, wenn er diese menschliche und immer aber auch politische Katastrophe nicht gekonnt in Reime gießen würde: „Wenn die jetzt bloß den Mief nicht riecht, hab ich bei mir gehofft / doch sie hält sich die Nase zu und fragt: ‚Hast du das oft?‘“

Selten wurde die bürgerliche romantische Zweierbeziehung radikaler kritisiert als in diesem Vers. Die brutale Geschlechterdichotomie aus „die“, „ich“ und aber einem ganz emanzipierten „sie“ in Verbindung mit 120 rosaroten Säugetieren zeigt deutlich, dass es Krüger nicht nur um Mann und Frau, sondern auch um das Tier geht, das keine Rechte besitzt, nicht nur in diesem Bereich, sondern generell: ein Skandal. Und so bleibt der Fahrer einsam.

Auf einmal platzt ein Reifen, ich fahr an die Seite ran,
ich zerre am Reserverad, da grinst so‘n Schwein mich an.
Dann bricht auch noch mein Wagenheber und ich flieg in’s Gras,
und 120 Schweine machen sich vor Lachen nass.
Da sagte ich zu mir nur jetzt ruhig Blut,
du bringst die 120 Schweine nach Beirut.

Die Rache der Schweine ist ihm gewiss, denn er ist nicht nur als Arbeiter, sondern als Subjekt ganz in der kapitalistischen Totalität gefangen, die nur dann aufgebrochen werden kann, wenn so ein Schwein ihn angrinst: als subversiver künstlerischer Akt vielleicht, als Ausdruck des gebrochenen Ichs in einer Welt aus depersonalisierten Maskenträgern, die nichts anderes im Sinn haben, als Schweine nach Beirut zu bringen – im übertragenen Sinne. Krüger weiß, was er tut.

Nach 88 Stunden, da kam ich endlich an,
und fahre auf den Schlachthof, gleich an die Rampe ran.

Und doch ist nichts an diesem Werk so gewaltig wie seine letzte Strophe. Nach 88 (sic!) Stunden erreicht Krügers pflichtbewusster Fahrer den Schlachthof mit der Rampe. Der Nationalsozialismus, er lebt, und er lebt nicht irgendwo, sondern in Beirut, und er lebt nicht irgendwie, sondern er lebt, weil der deutsche Fahrer den Befehl seines Vorgesetzten ohne zu murren ausgeführt hat. Und ihn immer wieder ausführt. Weil er es muss, weil er total ist, total gefangen im Netz einer Gesellschaft, die zerfällt. Doch warum zerfällt sie? Auch darauf weiß Krüger eine Antwort:

Die machen meinen Laster auf und fangen an zu schreien:
„Du solltest bringen Schafe, wir hier nix essen Schwein!“
Ich sitze da und weine fast vor Glück,
jetzt fahr ich 120 Schweine auch zurück.

Krügers Islamkritik ist so epochal wie einfach: Weil der Moslem in seiner vormodernen Raserei nichts besses zu tun hat als statt Schweine Schafe zu essen, bricht der Deutsche zusammen, fügt sich in sein Schicksal, lässt sich unterjochen und weint gar vor Glück, denn was bleibt ihm auch anderes übrig als seinen Hedonismus, der ja bereits in der ersten Strophe anklang, erneut – und umso heftiger! – zu leben? Was bleibt ihm anderes übrig als zu lachen, zu singen, zu tanzen auf der Asche der freien Welt? Was soll er, ach, was kann er anderes tun als dem bärtigen Elend ins Gesicht zu spucken? Die Antwort sei dem Leser überlassen, Mike Krüger: auch.

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