MUSIKALISCHER JAHRESRÜCKBLICK 2014

4. Jan. 2015, 12:05

Ja. Das war ein sehr gutes Video von 2013, das aber gerne als zeitlose Blaupause für mein Leben gelten darf. 2014 sah mich genau wie die letzten 300 Jahre auf allen möglichen Konzerten, und das ist geil, machen wir hier so, geht nicht anders. Das Jahr war auch eine Herausforderung für meinen hervorragenden Geschmack, denn gleich drei Alben kämpften bis zuletzt um den Titel ALBUM DES JAHRES. Sie taten es in einer Donnerkuppel. Am Ende gewann das beste Argument. Es war also vollkommen anders als in echt. Das beste Argument lautet: Wenn eins von den drei Alben überwiegend fröhlich und ein anderes überwiegend traurig ist, das dritte aber beide Extreme miteinander vereint, sollte das dritte gewinnen. Es hat außerdem das schönste Cover:

Andrew Jackson Jihad – Christmas Island

Es ist ein Lied darauf, das heißt „Angel Of Death“. Es ist kein Slayer-Cover, sondern ein Lied u.a über einen armen Jungen namens Cody. Der hat keine Freunde, und seine Eltern hassen sich. Auch der Rest des Albums ist sehr rührend. Ach, ich bin einfach zu emotional.

Die Shitlers – Drei Legenden versuchen jetzt, Deutschland zu ficken…

Auch Die Shitlers haben Emotionen. Neulich sind sie bei Punk im Pott aufgetreten, und eine Videoaufnahme davon legt den Verdacht nahe, dass Tristan sich vor Rührung übergeben musste. Die Shitlers und ich korrespondieren auch sonst sehr gut in unserer Persönlichkeitsentwicklung. So habe ich dieses Jahr z.B. angefangen, Sport zu machen, und Die Shitlers haben ein Lied über Sport geschrieben! Alles weitere zu diesem Meisterwerk hier: http://www.bierschinken.net/platten/review.php?id=1767&title=die_shitlers_-_drei_legenden_versuchen_jetzt_deutschland_zu_ficken_

The Twilight Sad – Nobody wants to be here and nobody wants to leave

Nach dem für ihre Verhältnisse schwachen Vorgänger „No one can ever know“ schon wieder ein Album über niemanden. Diesmal will niemand also bleiben, aber auch irgendwie nicht. Das Album bleibt jedenfalls genial. Wer bei „It never was the same“ z.B. nicht heult oder zumindest mit der Wimper zuckt, na ja, der tut das halt nicht. Der soll sich dann aber auch bitte nicht beschweren, wenn ich der Meinung bin, dass er zu wenig Zugang zu seinen Gefühlen hat! Ich weiß noch, wie mir Frank Shitler letztes Jahr LIVE vorgeworfen hat, ich würde meine Gefühle regelmäßig in Alkohol ertränken. Das stimmt gar nicht, z.B. tanze ich mittlerweile auch hin und wieder zu The Twilight Sad durch die Bude oder quäle meine Mitmenschen mit zuviel Information. Warum auch nicht!

Lynched – Cold Old Fire

Seit Jahren sehne ich mich danach, so eine richtig urige Stammkneipe zu haben, einen schönen gemütlichen Ort also, an dem man alle kennt und alle mehr oder weniger gut sind und wo schöne traurige Lieder gesungen werden. Dank „Cold Old Fire“, dem einzigen Irish Folk Album aller Zeiten, komme ich dem in Gedanken zumindest schonmal ein bisschen näher. Ich hab’s allerdings an so einem Ort mal angemacht, und alle schrien auf. Dabei gibt es doch nichts schöneres als knarzige Stimmen, Bodhran, Akkordeon etc. und alte Volkslieder z.B. der „Traveller“ (Roma) oder halt der Iren, Lieder, die man nicht so kennt, die aber wunderschön sind und etwa davon handeln, dass ein junges Mädchen nicht alles mit sich machen lässt, was Muttern befiehlt, oder von Armut im heutigen durchkapitalisierten Irland. Ein Trinklied ist natürlich auch drauf, aber eins mit einem Text von H.P. Lovecraft.

Einherjer – Av oss, for oss

Dieses Album beginnt mit einem epischen Wikinger-Synthie-Intro, dann gibt’s Midtempo-Riffgeballer, fieses Black-Metal-Gekrächze und Cowbell. Ich glaube, ich muss nicht mehr dazu sagen.

The World/Inferno Friendship Society – This Packed Funeral

Die neue W/IFS hatte mich nach 30 Sekunden, denn der Opener ist der beste Opener, den ich seit langem gehört habe. Danach ist auch alles geil: wieder mehr Punk, viel Theatralik. Außerdem hintergründige Texte und mehr weiblicher Gesang, der hervorragend zu dem wie immer in Höchstform austrumpfenden Jack Terricloth passt. Jack wird zwar älter, hat aber auch nach was weiß ich wie vielen Jahren nichts von seiner Faszination verloren. Hoffentlich auch live, das aktuelle Line-Up scheint wieder richtig gut zu sein. 2015 kommen sie nach Europa!!

Dark Forest – The Awakening

Ein perfektes Heavy-Metal-Album. Ich frage mich, woran es eigentlich liegt, das mich manche so packen wie dieses und andere, mindestens genau so stark gefeierte, mich völlig kalt lassen. Hier könnte es an der Unaufgeregtheit und der Stimme des Sängers liegen. Aber ist ja auch egal, das ist ja das schöne an subjektiven Jahresrückblicken! Zu „The Awakening“ kann man auch sehr gut joggen.

The Jim Tablowski Experience & Alien TV – Split LP

Hierzu ist bereits alles gesagt: http://www.bierschinken.net/platten/review.php?id=1640&title=the_jim_tablowski_experience_alien_tv_-_split_lp
2015 erscheint die nächste Platte, leider die letzte. Freue mich trotzdem wie ein kleines Kind!

Sturmpercht – Geister im Waldgebirg (2014 Edition)

Noch mehr knarzige Folklore, diesmal aus den Alpen. Absolut einzigartige Band. Vertonen Sagen und so. Ich finde zwar die Alpen eher doof, aber ich liebe dieses Album. Es ist eine Neuauflage des Originals von 2006, mit einigen neuen Gesangs- und Instrumentalspuren. Wer gerade keinen Wald in der Nähe hat, aber Bock auf Wald hat, der sollte sich das mal anhören.

Kettle Rebellion – Kettle Rebellion

Noch eine Neuauflage bzw. die Erstveröffentlichung eines Bootlegs, das seit 14 Jahren im Internet kursiert. Und zwar handelt es sich um das erste größere Lebenszeichen von Mischief Brew, damals noch unter anderem Namen. Müsste eigentlich in meinen 2008er-Rückblick, weil ich’s damals am meisten gehört habe. Angeblich soll diese Veröffentlichung auch nochmal neu gemastert worden sein und so, aber ich höre keinen großen Unterschied zum Bootleg. Interessant sind also vor allem das Cover und die Info, wie die Songs eigentlich heißen. Musikalisch ein absoluter MEILENSTEIN, wie immer so ziemlich das beste, was es in Sachen Folk Punk gibt. Nächstes Jahr gibt’s das neue Album. Die erste Single daraus fand ich allerdings eher mau.

FUCKFX – Handy | Schlüssel | Portemonnaie

Deutschsprachiger Skatepunk über die Tatsache, dass es gut ist, Handy, Schlüssel, Portemonnaie mitzunehmen, wenn man das Haus verlässt. Und auch über ein paar andere menschliche Tragödien. Trifft mitten ins Herz!

Pascow – Diene der Party

Auch eine gute Punk-Band, wobei ich Pascow auf den ersten drei Alben nach wie vor am besten finde. Mir behagt nicht, dass die Konzerte immer professioneller werden. Egal. Ich begrüße es, dass der Klang so gut und die Stimmung der Platte so aggro ist. Und ich sollte endlich mal das Buch zur Platte aufschlagen.

Slough Feg – Digital Resistance

Slough Feg klingen wie eine Mischung aus Queen und Iron Maiden und haben kauzige Texte. Find ich aus Prinzip schon geil. Weiter so!!

Das sind alles mehr oder weniger perfekte Platten. Andere gute und für mich wichtige Alben sind dieses Jahr u.a. von Thee Silver Mt. Zion Memorial Orchestra, Primordial, Alte Sau, Rome, King Dude, Svffer und Bethlehem erschienen. Womit wir die 20 voll hätten.

There‘ll be riots at the mall.

Ein Hip-Hop-Album ist nicht dabei! Ich habe dieses Jahr wirklich versucht, mich mit Hip-Hop anzufreunden, aber es ging nur sehr eingeschränkt. Die Antilopen Gang z.B. fand ich erst gut, dann nur noch okay, den Hype um Moneyboy verstehe ich nicht, und Haftbefehl ist mir zuwider, da irgendwelche Massenmedien ständig was vom „Goethe der Neuzeit“ faseln. Es gab aber ein Video/Lied aus diesem Genre, das mich berührt hat. Bitteschön:

2014 wird übrigens als Gründungsjahr der Band NO°RD in die Geschichte eingehen. GEIL.

Alles Gute!!

Ach so, und wer nur ein bisschen was mit Klassenkampf-Pathos, Tanz, Coming-Of-Age-Geschichten und/oder nordenglischem Arbeiterdialekt inkl. massenhaft Schimpfwörtern anfangen kann, sollte sich dringend die dieses Jahr erschienene DVD/Blu-Ray vom Billy-Elliott-Musical aus dem Londoner West End anschauen! Hier ein etwas älterer, aber sehr guter Trailer:

NACHTRÄGE:
Wanda – Amore

ZUGABE: mein Jahresrückblicksformular von bierschinken.net, dem einzigen Punk-Webzine Deutschlands:

1. Bestes Festival
Nein, danke.

2. Bestes Konzert in Bezug auf die Musik
Solo-Auftritt von Jerome Reuter (ROME) in einem Gothic-Club in Mülheim-West.

3. Bestes Konzert in Bezug auf Saufen
Chefdenker im AK47: http://www.bierschinken.net/dae/2014-10-17-chefdenker-ddorf/

4. Bestes Konzert in Bezug auf das Drumherum
Alle mit Die Shitlers und The Jim Tablowski Experience, weil ich diese Bands so lieb habe. Außerdem das KAZ-Open-Air, da passte atmosphärisch einfach mal alles. Selber auftreten war aber das Größte dieses Jahr. Um den ersten Auftritt rum hatte ich eine Woche lang Herzrhythmusstörungen! Ein Wunder, dass ich noch lebe.

5. Schlechtester Auftritt
KMPFSPRT beim KAZ-Open-Air.

6. Beste Platte
Andrew Jackson Jihad – Christmas Island

7. Bester Song
Andrew Jackson Jihad – Angel Of Death
Cooles Gefühl, wenn man auf offener Straße zu singen und zu heulen anfängt, weil einen die Musik aus dem MP3-Player gerade überwältigt!

8. Musikalische Neuentdeckungen
FUCKFX (Punk), Dark Forest (Metal) und Lynched (Folk).

9. Nervigste Band
Tigeryouth ist leider keine Band, aber HERRJE, das ist einfach unerträglich, was der macht.

10. Bester Konzertladen
AK47, Düsseldorf

11. Bester Bericht
http://www.bierschinken.net/dae/2014-11-05-delta-sleep-dortmund/

12. Schlechtester Bericht
http://www.bierschinken.net/dae/2014-01-04tenpints/ Da hab ich wohl noch geübt. Voll langweilig, der Bericht. Ansonsten bin ich ja ziemlich stolz auf meinen Output dieses Jahr!

13. Bestes Foto innerhalb eines Konzertberichts
Das war einfach. http://www.bierschinken.net/dae/2014-08-23redaktion/index.php?pic=25#title

14. Beste Jahreszeit
Sommer – im Sommer ist es nämlich warm und hell.

15. Bestes Essen
Gleich gibt’s Raclette, glaube ich.

16. Bestes Shirt
Das Shrimps-Shirt von JTE.

17. Bester Flyer / bestes Poster
Puh.

18. Dämlichster Bandname
Dead Koys. Verstehe ich nicht, was soll das.

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4
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MUSIKALISCHER JAHRESRÜCKBLICK 2013

15. Dez. 2013, 19:14
Das Jahr war SUPER. Mehr fällt mir erstmal nicht ein. Also fangen wir an mit meinem liebsten Musikvideo, passt auch gut in die Jahreszeit, laut mitsingen bitte:

„…woll‘n unser Leben zurück
und hol‘n es Stück für Stück,
Wir haben euch grad noch gefehlt,
Was bitte heißt schon verrückt?“

Geil! Und hier das ALBUM DES JAHRES, denn es ist sehr gut:

Blackbird Raum – False Weavers

Meine beste Neuentdeckung 2012 mit ihrem neuen Album und einer dreimonatigen Europatour, während der sie mir im AKZ Recklinghausen eins der ergreifendsten Konzerte meines Lebens und endlich eine neue Brille beschert haben. Es handelt sich um Öko-Anarcho-Punks aus Kalifornien, die mit der Zeit immer trauriger geworden sind, weil das ganze Haus- und Baumbesetzen zwar Spaß macht, die Welt aber trotzdem stetig den Bach runtergeht. Diesen Kummer spürt man auf „False Weavers“, ohne dass das Album irgendwie depressiv wäre, und das ist – neben den unfassbar schönen Melodien in den perfekt arrangierten Liedern und der rührenden Authentizität – das, was mich daran wohl am meisten begeistert: Punk halt.

Ganze NEUNZEHN weitere Platten haben es außerdem dieses Jahr in die Ruhmeshalle meines last.fm-Blogs geschafft. Und zwar diese:

Käfer K – Zu verwerfende Pläne

Okay, das sind bestimmt junge Germaninistik-Studenten, und sie kommen sogar aus Münster, aber es hat ja niemand jungen Germanistik-Studenten aus Münster verboten, gute Musik zu machen. Weiß gar nicht mehr, warum ich mir das überhaupt angehört habe, aber es hat sich gelohnt, denn Käfer K machen Musik, die ich so noch nirgendwo anders gehört habe. Weshalb ich auch gar nicht verstehe, wieso die immer in die Emopunk-Schublade gesteckt werden, das ist nämlich eher so Prog-Emo, bei dem jede Note und jedes Wort perfekt sitzen, so dass tatsächlich tiefsitzende Gefühle und Erinnerungen hochkommen; es gibt auf der Platte bei einer Spielzeit von nicht mal einer halben Stunde mindestens drei Lieder, bei denen ich Pipi in den Augen kriege. Das hat sonst noch niemand geschafft. Hier noch das harmloseste davon (mit tollem Video):

Wenn alle Augen wieder trocken sind, machen wir uns erstmal ein Bier auf für

Mülheim Asozial – Familie & Beruf

GESTERN REVOLUTION – HEUTE MÜLHEIM ASOZIAL – DAS HASTE NUN DAVON –
DENN DIR WAR ALLES SCHEISSEGAL

So im Nachhinein stört mich dann doch, dass da ein Quentchen zuviel Ironie bei ist. Aber man kann die Lieder tatsächlich auch völlig unironisch hören, und dann sind sie am besten, denn dann geht’s sehr treffend darum, dass Familie und Beruf halt meistens ziemlich scheiße sind und Punk und Dosenbier meistens ziemlich geil. Ist halt so. Live war die Band der absolute Knaller, weil auch da eben nicht – wie ich es z.B. schonmal Kotzreiz auslösend bei der Band Kotzreiz erlebt habe – die Ironie im Vordergrund steht, sondern die originale Angepisstheit von der Welt.

Robinson Krause & The Gays Of Thunder – Let’s gets happy

Robinson Krause machen eigentlich ziemlich unspektakulären Punk, haben sich aber überlegt, das mal sein zu lassen und mit „Let’s gets happy“ ein halb-akustisches Meisterwerk einzuspielen. Punk, Ska, Salsa, Jazz, Country, Schlager, schöne Texte zwischen Weltschmerz, Parodie, Gesellschaftskritik und Blödelei, hoher Suchtfaktor, was will man mehr, keine Ahnung, dazu noch ein Plattencover, das ich gerne viermal so groß eingerahmt über mein Bett hängen würde. Geil.

Kommando Sonne-nmilch – You Pay I Fuck

Letztes Album der aktuellen Rachut/Ness-Band, wobei die nächste ja zum Glück schon in den Startlöchern steht. Zwar sind mir irgendwie zu viele Lieder übers Altwerden und Sterben da drauf (meine Güte, man stirbt halt irgendwann, scheiß drauf!), aber natürlich ist jedes ein Hit, und natürlich sind die Herren auch schon ca. 60 Jahre alt. Habe vier Konzerte der Abschiedstour gesehen, u.a. auch die letzten beiden, beim Vorletzten sprang ich die Lieder mitschreiend wie ein Flummi durchs Publikum, und beim letzten hatte ich plötzlich was im Auge, als tatsächlich Suse/Yvon Jansen auftrat und u.a. „Braune Engel“ vom überaus genialen 2003er-Album „Der Specht baut keine Häuser mehr“ sang. Perfektes Wochenende.

Mann kackt sich in die Hose – Karibik

Junge Leute gibt’s zum Glück aber ja auch, u.a. diese hier, frisch aus meiner Hood in die Herzen der Kaputten und zum Glück kein Doom oder Black-Metal-Core oder so ein Scheiß. Wobei ich die Platte mit Sicherheit auch geil fände, wenn sie aus Hintertupfingen käme. Ist einfach zu gut! Hier ein paar weitere Eindrücke: http://www.bierschinken.net/platten/review.php?id=1312&title=mann_kackt_sich_in_die_hose_-_karibik Bald sehe ich sie endlich live, sollen ja ganz geil sein!

The Jim Tablowski Experience

Spielen auch live: The Jim Tablowski Experience, z.B. im Sommer im Rahmen eines spontanen Proberaumkonzerts; ich erwarte, zwischen der gesamten explodierenden Szeneprominenz in einer schimmeligen Ecke stehen zu müssen, und am Ende sitze ich neben den drei weiteren Besuchern auf einer Couch und lasse mir von den jungen Herren vor mir ein paar meiner Top-Hits des Jahres, erschienen auf einer 7″-Single, vorspielen. Beste!! Der hier gehört noch nicht dazu, erscheint dann nächstes Jahr auf Platte, aber Video gibt’s schon:

Tocotronic – Wie wir leben wollen

Als erster Vorsitzender und vermutlich einziges Mitglied des Vereins zur ausschließlichen Huldigung des Tocotronic-Spätwerks (ab „Pure Vernunft darf niemals siegen“) habe ich auch „Wie wir leben wollen“ mit offenen Armen empfangen und Anfang des Jahres rauf und runter gehört. Am schönsten sind die Schunkel-Schlager „Vulgäre Verse“ und „Abschaffen“, aber eigentlich auch alle anderen, es gibt kaum ein besseres Album für den gepflegten Nachmittagskaffee (mit Schuss).

Christian Steiffen – Arbeiter der Liebe

Gut, das mag dann noch eine Spur passender sein. Christian Steiffen, der Name ist Programm, live im FZW beim Bierschinken-Fest ein sprudelnder Quell der Freude, ebenso wie auf Platte und ebenso wie übrigens mein Lieblingsfilm des Jahres, Axel Ranischs „Ich fühl mich Disco“, in dem Steiffen eine große Rolle spielt. Vom gleichnamigen Lied gibt es hier eine Live-Version mit Blasorchester (!), die man sich nicht oft genug anschauen kann: http://www.tape.tv/musikvideos/Christian-Steiffen-das-Blasorchester-Borgloh/Ich-fuehl-mich-Disco-Blasorchester-Version Selten wurde das gesellschaftiche Phänomen „Blasorchester“ treffender porträtiert. Ist allerdings auch einfach ein schönes Lied.

Locktender – Kafka

Man kann natürlich nicht immer nur deutschsprachiger (Sub-)Kultur huldigen, sondern muss auch mal melancholische Hardcorebands aus Übersee hören, zumal dann, wenn sie Konzeptalben über deutschsprachige Schriftsteller machen, haha! Nein, im Ernst, Locktender haben mit diesem Album endlich die geniale Vorgängerband Men As Trees in puncto Qualität eingeholt. Vor allem das zweite Lied („remember when we used to be vibrant…“) ist so schön, dass es kracht.

Anteater – Oxygen

DIY-Hardcorebands gibt es hierzulande ja auch wie Sand am Meer, meistens finde ich sie ganz nett, manche finde ich live auch brillant (Svffer z.B.), aber auf Platte eher mau. Anteater sind da eine Ausnahme, deren Debüt überzeugt mich komplett und lief bei mir ständig. Schön songorientiert, druckvoller, aber irgendwie „sanfter“ Klang, gute Texte. So muss das.

Sangre de Muerdago – Deixademe Morrer no Bosque

Jetzt ist es soweit, es gibt nicht nur die ersten „linken“ Black-Metal-Bands, nein, auch der Neofolk-Bereich kann mit was „linkem“ aufwarten. Wobei das natürlich inhaltlich hier wie da lediglich bedeutet, dass es keine Nazis oder Rechtskonservative sind, die hier die Zerstörung der menschlichen Zivilisation und die Rückkehr zur Natur fordern, sondern eben Öko-Anarchos. Die Spanier Sangre de Muerdago spielen sehr atmosphärischen ruhigen Folk, bei dem sich zuerst zwar jedes Lied gleich anhört, der aber dann schnell süchtig macht.

Zum Runterkommen bitte hier klicken.

Anais Mitchell & Jefferson Hamer – Child Ballads

Die „Child Ballads“ sind ein Kompendium englischer Folk-Songs, mehrere hundert sind da drin, und zwei Leute, von denen ich sonst überhaupt nichts weiß, haben sieben davon interpretiert und aufgenommen und damit die internationale Folk-Szene erfreut. Mich auch. Ein Lied davon ist übrigens die Vorlage zum alten Bots-Superhit „Was wollen wir trinken“ – wusst ich auch noch nicht! Trinken will ich zu diesem Album jedenfalls Tee, dazu gibt’s Kekse, und draußen stürmt’s und schneit’s. Wunderschön, aber leider viel zu kurz, hätten die andern 300 Lieder ruhig auch noch machen können.

Die Shitlers – Früher haben die Nazis Power gemacht, heute machen wir Power

Die Shitlers gehören zur Speerspitze des deutschsprachigen Intellektuellen-Punk. Sie machen ihr Ding, glauben an sich, bleiben sich treu. Manche Textzeile ist zu hoch für den ein oder anderen, kommt vor, es sind Akademiker. Die Shitlers haben einen oberaffengeilen Top-Hit auf dieser EP und ein Video dazu gedreht:

Kennengelernt habe ich Die Shitlers im Mai, als Vorband von Chefdenker. Da wurde der ein oder andere Witz aus dem Ärmel geschüttelt, so dass mir gleich auffiel, wie herbe cool die Band ist. Ein denkwürdiger Abend, aus dem mehrere intensive Facebook-Freundschaften entstanden sind. Weiter so, lasst euch nicht unterkriegen, macht weiter euer Ding!

Freiburg – Aufbruch

Das Lied „Freiburg“ von Tocotronic kannte ich überhaupt nicht, als die Band Freiburg es mir live vorspielte (weil, s.o.), aber es klang schon ziemlich geil, ebenso wie die eigenen Lieder von Freiburg. Was ich erstaunlich finde. Eigentlich müsste ich die Band hassen, weil ich alles andere von This Charming Man Records auch eher öde finde, da zu bemüht künstlerisch wertvoll und hip, aber ich tue es nicht. Ist das nicht toll?

NinaMarie – Feuer in der Nachbarschaft

Ich fand Marten Ebsens Nebenprojekte immer schon besser als Turbostaat, und so sprang ich begeistert im Rechteck, als endlich eine neue NinaMarie-Platte angekündigt wurde. Hat in keiner Weise enttäuscht: sechs komplett unterschiedliche Lieder, die dennoch als Ganzes zusammen wirken und so schön sind wie nur was. Jetzt muss Marten nur noch mal was Neues von Lattekohlertor veröffentlichen, und dieser ganze Turbostaat-Quatsch ist verziehen.

Love A – Irgendwie

Albumtitelvorschlag für’s nächste Mal: „Immerhin“. Denn Love A, die das Kunststück vollbracht haben, binnen 15 Monaten in Dortmund auftrittstechnisch vom UntenLinx in die Visions-Redaktion aufzusteigen, werden bestimmt demnächst total uncool, bleiben aber irgendwie doch gut. Immerhin! Eigentlich können die auchgar nichts falsch machen, einfach weiter tragikomische Geschichten von Verlierern und Gefühlen und so erzählen, dazu live Bier übern Kopf kippen, passt.

Angizia – Des Winters finsterer Gesell

Irres Musiktheater aus Österreich über einen fiesen Mörder, der durch den Wald stapft: Ebenso wie das 2011 leider von mir sträflich übergangene Werk „Kokon“ der perfekte Soundtrack zum FIFA-Spielen! Angizia sind ein Phänomen: In den 90ern als skurriles Ein-Mann-Projekt, das ein dilletantisch-albernes Album nach dem Andern rausgehauen hat, das Gespött der kompletten Metal-Szene; mittlerweile (seit „39 Jahre für den Leierkastenmann“ von 2002) ein äußerst ambitioniertes Projekt, das in Eigenregie regelmäßig hervorragende Musik mit sehr interessanten Texten hervorbringt. Dazu noch Superstars in Lateinamerika, wobei bisher noch niemand herausgefunden hat, wie es dazu kommen konnte.

Resurrectionists/The Gentle Art Of Chokin

Pünktlich zur Weihnachtszeit lege ich mir auch mal was harmonisches auf und schaue aus dem Fenster (s.o.). Dann schaue ich zurück auf den Bildschirm, lese irgendwas im Internet und möchte die Panzer in Stellung bringen. Da ich keine Panzer habe, muss es diese Split-LP richten. Sie schafft es natürlich nicht. Was soll sie auch schaffen. Was soll man eigentlich überhaupt schaffen? Ach, scheiß drauf.

Kapelle Petra – Internationale Hits

Ich glaube, Kapelle Petra haben 2013 jeden Monat getourt. Sehr beeindruckend. Und ich hab kein einziges Konzert gesehen, weil ich immer irgendwie nicht konnte. Und, na ja, weil „Internationale Hits“ mich im Gegensatz zum vor trockener Tragikomik nur so strotzenden 2008er-Vorgänger „Stadtranderholung“ dann doch ein bisschen enttäuscht hat. Ich kann natürlich nicht in Worte fassen, warum, weil ich mir auf den ganzen anderen Konzerten, die ich dieses Jahr besucht hab, das Hirn weggesoffen habe, aber irgendwas fehlt. Egal.

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Was zum Glück nicht fehlt, ist das Gefühl, am richtigen Ort zu sein, „ein Kind im Dreck spielend, im Matsch, das ein paar gute Freunde hat“ (Stefan Flanders), find ich gut, das Bild, denn Kitsch ist Kunst; vor allem aber deshalb, weil 2013 hier in Sachen Konzerten und coolen Leuten doch einiges passiert ist, und weil das gemeinsame Lachen nicht verlernt wurde; das ist nämlich viel mehr wert als der ganze andere Scheiß.

Und jetzt aber bitte wieder über Fußball reden: 2013 wird auch deshalb in die Geschichte eingehen, weil ich meine vor dreizehn Jahren aufgegebene Passion für Fußball-Videospiele neu entfacht, mich selber auf den Platz gestellt und kaum ein Spiel des – wie man neulich mal wieder festgestellt hat – geilsten Clubs der Welt, ROT-WEISS AHLEN, verpasst habe. Jetzt ist Winterpause. Scheiße.

Nachträge:
Ostara – Paradise Down South
Vâr – No One Dances Quite Like My Brothers
Low Culture – Screens
Finntroll – Blodsvept
CRUSADES – PERHAPS YOU DELIVER THIS JUDGMENT WITH GREATER FEAR THAN I RECEIVE IT
The Manx – Blood Chronicles
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MUSIKALISCHER JAHRESRÜCKBLICK 2012

2. Jan. 2013, 13:26
„Be of good heart. Our songs will all be silenced.
So what? We’ll go on singing.“
(Franz Nicolay, „Frankie Stubb’s Tears“)

Es gibt ja kaum etwas schöneres als musikalisch neues zu entdecken, und es ist umso schöner, wenn man nicht mehr jede neue coole Band cool findet, sondern eigentlich lieber auf Altbewährtes zurückgreift. Plötzlich ist da was Neues, und plötzlich ist alles viel besser. Das klappt bei mir eher, wenn mir eine Band zufällig über den Weg läuft, als wenn ich sie mir empfehlen lasse. Am besten ist eine Mischung aus beidem: irgendwann mal empfohlen bekommen, vergessen und Jahre später für ausgezeichnet befunden. So war es bei Blackbird Raum, und prompt bestimmten sie den Sommer. Sie bringen nächstes Jahr ein neues Album raus und haben dafür ein Video gedreht. Das ist leider noch nicht online, dafür aber eine Aufnahme aus der gleichen Session, mein Sommerhit, „Honey In The Hair“, live gespielt in der Bay-Area-Bahn:

Folgende acht Alben sind herbe geil:

Franz Nicolay – Do The Struggle

„Never trust a man without a horror story“ – eine Lebensweisheit, auf die man sich verlassen kann! Und die Franz Nicolay gleich im ersten Lied von „Do The Struggle“ raushaut. Kann man als programmatisch verstehen. Dass Nicolay schon die ein oder andere horror story erlebt hat, nimmt man ihm beim Hören seines neuen Albums sofort ab. Zwar sind die Lieder allesamt wunderschöne, leidenschaftliche Folksongs, aber unter allem liegt – nicht zuletzt durch das neu hinzugekommene Element diverser elektronischer Rhythmen und Geräusche – eine gewisse urbane Dunkelheit. In dieser mag man dann lächeln oder weinen oder beides, denn „Do The Struggle“ vereint die ganzen großen Gefühle, lotet Extreme aus – von fröhlich-beschwingt-melancholischen, fast kindlich anmutenden Liedern wie „The Migration Of The Cuckoo“ bis hin zu zutiefst erwachsenen Kneipenschmachtfetzen wie „Did Your Broken Heart Make You Who You Are?“. Hier ist einfach alles drin. Deshalb – und trotz des hässlichen und unpassenden Coverartworks – das Album des Jahres.

The Taxpayers – „God, Forgive These Bastards“
Songs From The Forgotten Life Of Henry Turner

Henry Turner, ein Obdachloser, der ein Baseball-Star hätte werden können, ist natürlich nicht der einzige Mensch, dessen Leben durch blöde Zufälle total verhunzt worden ist, aber über ihn gibt es ein Buch, und die Taxpayers haben daraus ein Album gemacht. Es ist vielleicht das beste Punk-Album, das es gibt. Es klingt wie direkt in irgendeiner Spelunke aufgenommen, auf Instrumenten, die da eh schon immer waren, von Menschen, die da auch wohnen. Authentizität ist zwar kein alleiniges Qualitätsmerkmal, ist für Punk aber unverzichtbar. Ähnlich wie bei The World/Inferno Friendship Society stimmen auch noch die musikalischen Fähigkeiten, und bei all der Ausgelassenheit kommt auch die Tragik des Lebens in diesem komischen Hier und Jetzt nicht zu kurz; sie ist sogar das bestimmende Moment dieser Musik. Es ist Musik für Leute, die wissen, dass sie nur verlieren können, und die trotzdem gerne ordentlich auf die Kacke hauen. The Taxpayers, eine DIY-Jazz-Punkband (oder wie sie es nennen: „Goof Punk“) aus Portland/Oregon, gibt es seit 2007, und sie haben schon vier Alben draußen, von denen die letzten beiden mit das musikalisch mitreißendste darstellen, was ich seit Jahren entdeckt habe. Alle zum freien Download auf http://taxpayers.bandcamp.com/

mewithoutYou – Ten Stories

„Elephant In The Dock“, eine Ballade über einen von grausamen Geschworenen zum Tode durch Hängen an einem Kran verurteilten Elefanten (nach einer wahren Geschichte!), hat mich sofort vollkommen fertig gemacht. Aber auch die anderen hier versammelten neun Geschichten berühren nach einigen Durchläufen jeden, dessen Herz noch nicht an einem Kran baumelt. „Ten Stories“ ist düsterer und härter als der mir noch besser gefallende Vorgänger „It’s all crazy! It’s all false! It’s all a dream! It’s alright!“, aber vor allem ist „Ten Stories“ das erste Indie-Rock-Album seit Jahren, das ohne Umschweife zu einem persönlichen Klassiker geworden ist. Rhythmisch auf den Punkt komponierte sprechgesungene lyrische Kunstwerke, viel musikalische Leidenschaft und eine sympathisch unkommerzielle Attitüde – sollte es öfter geben, sowas.

Captain Planet – Treibeis

Am 24.11. haben Captain Planet in Oberhausen gespielt, und ich hatte vor, am Bühnenrand zu stehen, begeistert mitzusingen und ständig die Faust in die Luft zu recken, ganz so, als ginge es um etwas, um die revolutionäre Aufhebung des Widerspruchs von Kapital und Arbeit zum Beispiel, jener blöden Sache also, die aus Menschen Konkurrenten macht, mithin um den Grund für das, was Captain Planet am Ende von „Spielplatz“ durch ein monotones, sich aber stetig steigerndes Riff und eine ebensolche Gesangslinie, von deren Aussage am Ende aus gutem Grund nur noch das Nötigste übrigbleibt, ausdrücken: „…wer mit dir das große und ganze für immer / durch die felder in den grauen morgen trägt / bis alle flaschen leer sind / nur eine nacht lang in der keiner sagt / dass du es nicht wert bist // wie gehst du nur mit den niederlagen um? / wo üben die die immer siegen?“

Alcest – Les Voyages De L‘âme

Das Musikvideo zur ersten Single dieses Albums sieht original aus wie ein Rosamunde-Pilcher-Film, die Musik ist fluffig bis sphärisch, der Sänger heißt „Neige“ („Schnee“), und das Ganze wird spätestens seit dem grottenschlechten Vorgängeralbum kommerziell ausgeschlachtet, dass es nur so quietscht. Ich habe keine Ahnung, was das Album hier verloren hat. Offenbar stimmt irgendwas nicht mit mir!

Keine Zähne im Maul aber La Paloma pfeifen – Postsexuell

„Komm, wir schießen Ratten, auf der Mülldeponie! / Was, du kommst nicht mit? Fick dich doch ins Knie…“ Ganz klar die beste Line des Jahres auf einem an Hits nicht eben armen Album, das nach kurzer Eingewöhnungsphase, insbesondere was den Gesang betrifft, heftig zündet. Wer keine Zähne im Maul hat und trotzdem La Paloma pfeift, hat ja sowieso gewonnen. Die Band ist live noch einen Tacken besser, da stehen drei ältere Herren auf der Bühne, sind sichtlich nervös und singen dann zum Rhythmus aus der Maschine davon, dass sie „immer noch nicht gebumst“ haben. Was will man mehr?

King Dude – Burning Daylight

Wenn die Nacht so schwarz ist, dass… na, wenn sie halt schwarz ist, dann kommt King Dude um die Ecke und macht Stimmung. „Burning Daylight“ ist megafies, ein brutaler Bastard aus Country und Neofolk, wie er schöner kaum sein könnte. Und dann ist da mit „My Mother Was The Moon“ noch ein Lied drauf, von einer Frau gesungen, das genau das Quentchen Licht reinbringt, das es braucht, um die Dunkelheit erkennbar werden zu lassen.

The Twilight Sad – No One Can Ever Know

Was darf niemand wissen? Dass „No One Can Never Know“ das schlechteste Album von The Twilight Sad ist? Ne, das ist schon in Ordnung: Es ist das schlechteste der drei, weil eines der beiden Hauptmerkmale der Schotten nicht mehr da ist: die unfassbar tragisch-schönen Gitarrenwände. Stattdessen findet das zweite Unverwechselbarkeitsmerkmal, der elegant-verzweifelte Gesang mit dem herrlichen schottischen Akzent, nun über düsteren Synthie-Bass-Flächen statt. Man könnte sagen, The Twilight Sad sind in der Großstadt angekommen und erwachsen geworden. Ein bisschen traurig, irgendwie.

AUCH NOCH SEHR GUT:

Birds In Row – You, Me & the Violence
Meine liebsten HC/Screamo-Bands kamen schon immer aus Frankreich, und diese hier gehört jetzt dazu. Unglaublich wütend und dabei schön melodisch. Nichts besonderes, aber ziemlich super!

Panopticon – Kentucky
Ein amerikanischer Anarcho, der naturmystischen Black Metal mit Bluegrass und Arbeiterliedern kreuzt. Thematisch geht es dann auch tatsächlich um die Bergarbeiter und die Natur Kentuckys. Leider mit nur einem wirklich überragenden Song („Killing The Giants As They Sleep“).

Pale Robin – Wheel Of The Damned
Sehr schönes Folk/Pop-Album von Blackbird-Raum-Mitgliedern und -Freunden. Die Trompete in „Of the west (and eastwards for summer)“ gehört zu den schönsten Momenten, die ich je in einem Lied gehört habe,

The Mountain Goats – Transcendental Youth
Hach, ja.

Neil Young & Crazy Horse – Psychedelic Pill
Neil Young ist 67 Jahre alt. „Driftin‘ Back“, der erste Song seines neuen Albums, ist 27 Minuten lang und besteht aus zwei Akkorden. Das Album geht 60 Minuten lang wunderbar entspannt weiter, es gibt kaum etwas unspektakuläreres, aber ich muss einfach zuhören!

Roma Amor – Occhi Neri
Romantischer Akustik-Folk mit Sängerin. Wären alle Lieder so toll wie „Le coeur au chaud“, dieses Album wäre ganz oben dabei. So bleibt es „nur“ traumhafte Hintergrundmusik für verregnete, verkaterte Nachmittage.

Düsenjäger – Leben Lieben Sterben
Irgendwie liebe ich Düsenjäger ja, aber wie da jedes Wort beim Singen so lang gezogen und jede Selbstverständlichkeit in profane Worte gegossen werden muss, das nervt auf die Dauer. Ich mag es lieber, wenn ich mir die transportierten Botschaften und Stimmungen selber erschließen kann.

Geology – The Neighboring Sea
Aus dem Umfeld von mewithoutYou, ein Indie-Pop-Soloprojekt. Zwei Tage lang gab es diese unglaublich schöne, sonnige EP zum kostenlosen Download. Ein bisschen zu süßlich ist sie mir dann doch, aber in der richtigen Stimmung an einem sonnigen Tag gab es 2012 für mich kaum etwas besseres.

Disco//Oslo – Disco//Oslo
„Du schaust der Welt beim Sterben zuuu…“, ach, bitte. Muss nicht sein. „Fassade“, „Allesfresser“ und „Madrid Is Burning“ aber sind die besten Deutschpunklieder des Jahres. Ist ja auch was! Schade, dass die Band live ihre Mitgröhlparts noch selber übernehmen muss.

[del]Kein[/del] Kaum Metal.

Drei Konzerterlebnisse möchte ich noch für die Nachwelt festhalten.

Attila the Stockbroker & Barnstormer in der Kaktusfarm, Dortmund
Attila the Stockbroker ist ein älterer Herr aus Brighton/UK, der seit vielen, vielen Jahren linkspolitischen Folk-Rock/Punk z.B. über den Tod von Maggie Thatcher („Maggots 1 – Maggie 0“) spielt und einen großartigen Gastauftritt in dem Film „Doppelpack“ hat. Der Film handelt von einem Tag im Leben der Freunde Lehmi und Hoffi – sie wachen extrem verkatert in einem Gehege des Dortmunder Zoos auf und kämpfen sich fortan durch den Tag, mit dem Ziel, ein Konzert von Attila the Stockbroker zu besuchen. „Doppelpack ist ein Action-Film. Die ganze Zeit passiert überhaupt nichts, und dann kriegt Hoffi einen Frisbee in die Hoden“, fasste Attila den Film zusammen. Mein Freund Hoffi und ich waren im Publikum, und wir waren sehr begeistert. Außer uns waren da noch einige andere Doppelpack-Fans, aber auch linke Skinheads und hippieske Altlinke. Sehr lustige, interessante Mischung, die z.B. dazu führte, dass ein Vertreter letzterer Gattung die Bühne enterte und die Anwesenden lautstark grunzend dazu aufforderte, „endlich aufzustehen“. Dabei standen doch schon alle. Super Abend!

Dear Reader & Herrenmagazin in der Zeche, Bochum
Manchmal muss man auch alleine auf Konzerte gehen, z.B. dann, wenn alle möglichen Begleiter*innen entweder zu arm oder zu desinteressiert sind. Viele Menschen verstehen das nicht, aber, na ja, wenn ich da nicht hingegangen wäre, hätte ich ein sehr schönes Konzert verpasst, das muss doch einleuchten! Es war nämlich wirklich sehr schön: Herrenmagazin, die ich bereits seit geraumer Zeit verehre, teilten sich die Bühne mit Dear Reader, die ich vorher nicht kannte und nun aber auch sehr mag: eine junge Frau am Klavier und ein junger Mann an der Geige spielten ganz bezaubernde Lieder. Hin und wieder spielten sie auch mit Herrenmagazin zusammen und umgekehrt, ein wirklich tolles Konzertkonzept, zumal alle Lieder auch noch extra für diese Tour umarrangiert worden waren. Auf YouTube kann man recht gute Bootleg-Aufnahmen von einem der Konzerte anschauen.

Meursault, Lentic Waters & Jungbluth im EMO-Keller, Essen
Ich habe es 2012 endlich geschafft, Meursault zu sehen! Es war ja schon zu verhext, immer war ich irgendwo anders, und als es im Oktober endlich soweit sein sollte, war er krank. Dabei begleitet mich seine Musik in Form der alten Demo-CD schon seit vielen Jahren. Im Dezember war es endlich soweit: im EMO-Keller in Essen, mit verkürztem Set wegen – na klar – Krankheit. Jungbluth und besonders Lentic Waters spielten ihren Krach hervorragend und routiniert runter. Von Meursault war ich anfangs begeistert: wie Phil seine Akustikgitarre und seine Stimmbänder maltraitiert, das ist energiegeladener und kraftvoller als so manche komplette Band. Die intime Atmosphäre im Keller passte auch hevorragend. Und jetzt kommt aber eine Wutrede:
Im Großen und Ganzen fand ich den Auftritt nämlich ärgerlich, und das lag an der Grundaussage, die da lautete: „Der Mensch ist schlecht, und das wird sich auch nie ändern.“ Insbesondere der zweite Teil der Aussage ist ja nichts anderes als eine Absage an jede Form von emanzipatorischem Engagement. Wenn man ernsthaft der Meinung ist, dass Menschen Dreck sind, dann kann man’s halt auch lassen. Es ist irgendwie symptomatisch für die DIY-Punk/HC-Szene, wie ich sie – zugegebenermaßen nicht besonders intensiv, aber kontinuierlich – über die Jahre erlebt habe: man stellt fest, dass die Welt irgendwie nicht besonders freundlich ist, bekommt ein linkes Bauchgefühl, lernt die entsprechenden Codes und Phrasen auswendig, und dann kommt nichts mehr. Keine Analyse, keine Kritik, nur Lamentieren und Sich-wälzen im freundschaftlichen Zusammenhalt der Szene, gelegentliches Besuchen einer Anti-Nazi-Demo (wo man dann gemeinsame Sache mit SPD, CDU und Co. macht) und Herabschauen auf den Menschenmüll, der irgendwie doof ist. Was ja etwas sehr elitäres hat – obwohl man nie elitär sein möchte. Die in den letzten Jahren erfolgte Hinwendung vieler Szenebands zum Black Metal und Doom als musikalische Ausdrucksform (wann ist eigentlich endlich Neofolk an der Reihe? In Sachen Zusammenhalt und misanthropischem Weltschmerz gibt es da einige Parallelen zwischen den Szenen) ist da nur folgerichtig, denn das sind Musikrichtungen, die gar nicht anders können als resignativ, depressiv und menschenverachtend zu sein – mithin das genaue Gegenteil von emanzipatorischer Politik darzustellen. Beim Auftritt von Meursault kam da noch eine nicht unerhebliche Schippe Selbsthass hinzu: Eins der neuen Lieder handelte von Sexismus und anderem Mist innerhalb der Szene; Motto: Wir sind ja auch nicht besser. Wir sind auch Menschenmüll, und wir können nicht anders. Scheiße. Und jetzt? Warum setzt man sich nicht einfach mal hin und fragt, welchen Nutzen, welche Funktion Sexismus im Kapitalismus hat? Warum beschäftigt man sich nicht mal ein bisschen mit den Grundlagen der Politischen Ökonomie, dann hätte man zumindest mal eine Erklärung für den ganzen Scheiß und würde nicht so leicht in die Misanthropie abrutschen. Man könnte immer noch wütend und traurig sein und entsprechende Musik machen, denn Gründe gibt’s ja nun genug dafür, aber man müsste nicht resignieren. Resignation ist unpolitisch, und unpolitisch heißt hirntot, das weiß man hoffentlich noch aus der eigenen Punk-Vergangenheit. Wer nur diffus gegen alles Schlechte ist und das Schlechte im Menschen an sich sucht, muss sich fragen lassen, ob er überhaupt noch irgendeinen politischen Anspruch hat – oder ob er den nur noch als Szenecode vor sich her trägt.
Ich finde dieses sich politisch gebende Unpolitischsein ärgerlich, denn ich besuche sehr gerne die ganzen Szenekonzerte und bin mit einigen tollen Menschen, die da tiefer drin stecken als ich, befreundet. Und fühle mich trotzdem immer wieder wie im falschen Film.

Einen komplett richtigen Film haben die Kölner Stadionrocker von Chefdenker über die Jahre hinweg gedreht und 2012 auf die Menschheit losgelassen: „Jeder der uns sieht findet uns total geil“ ist der Titel und eine Aussage, an der nichts verkehrt ist. In meinen Lieblingsszenen liegt Bassist „Graf Disco“, der auf der Bühne entweder nackt oder in Windeln auftritt, mit einem Ganzkörperoverall bekleidet in der Badewanne und sagt irgendwas. Wo bleiben die Filmpreise?

Ach, und jetzt hätt‘ ich’s fast vergessen, es darf getanzt werden, auch wenn es gar nicht von 2012 ist: mein drittes Lieblingslied & -video des Jahres:

http://vimeo.com/8049196

Dankeschön! Habt ein schönes neues Jahr.
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MUSIKALISCHER JAHRESRÜCKBLICK 2011

29. Dez. 2011, 11:57
Starten möcht‘ ich heuer mit einem meiner persönlichen Sommerhits, dem eleganten Pop-Song „The Day Our Voices Broke“ von Butcher Boy, erschienen dieses Jahr auf dem leider ansonsten – bis auf „I Am The Butcher“ – relativ miesen Album „Helping Hands“. Keine Ahnung, ob das wirklich Butcher Boy sind, die hier spielen, aber sie klingen so, und ich mag sympathische ältere Herrschaften, bin ja bald selbst einer von ihnen!

Hier nun die ZWÖLF unzweifelhaft besten Gründe dafür, Kinder in die Welt zu setzen, des Jahres:

Rome – Die Ästhetik der Herrschaftsfreiheit

Wenn in Zeiten absoluter ironischer Gleichgültigkeit auf nahezu allen relevanten gesellschaftlichen Feldern, insbesondere aber in der Kunst, sich jemand hinstellt und einen zweieinhalbstündigen Liederzyklus über die sozialrevolutionären Kämpfe der letzten 150 Jahre veröffentlicht, dem es nicht eben gerade an leidenschaftlicher Positionierung mangelt, finde ich das schonmal super. Wenn darüber hinaus noch fast alle Lieder trotz ihrer Simplizität eine Tiefe aufweisen, die auch beim zwanzigsten oder dreißigsten Hören noch Freude macht, darf man von einem Meisterwerk sprechen.

Primordial – Redemption At The Puritan’s Hand

„This thing has a way of making slowly rotting in front of your laptop feel epic“, schreibt ein Typ vom Musikmagazin Pitchfork völlig zutreffend zu diesem erneut besten Metal-Album aller Zeiten. Habe sie an Ostersonntag live gesehen im Essener Turock, wo man Guinness aus Plastikbechern trinken muss. Selbst das: epic!

Deafheaven – Roads To Judah

Am schönsten an diesem wunderschönen Album aus purer Raserei und großen Gefühlen ist der enthusiastische Ausruf „Tequila! Tequila!“ in „Language Games“. Dabei mag ich gar keinen Tequila.

Darkest Era – The Last Caress Of Light

Epic!

The World/Inferno Friendship Society – The Anarchy & The Ecstasy

So kann man Herrschaftsfreiheit natürlich auch fordern: mit einem dämonischen Grinsen auf den Lippen. W/IFS waren im Sommer mal wieder in Deutschland, mit fast vollständig verändertem Line-Up, das auch dieses Album eingespielt hat – weniger Rock, mehr „heitere Gelassenheit“ und einige der besten Songs der Bandgeschichte. Warum eigentlich nicht? Man wird ja nicht jünger.
Außerdem: COVER DES JAHRES

Cult Of Youth – Cult Of Youth

Dies ist das wütendste und schönste Album des Jahres, eine absolute Offenbarung. Es ist fast unmöglich, diese Lieder z.B. in der Bahn zu hören, wenn man nicht gerade darauf aus ist, die anderen Anwesenden mit wilden Zuckungen oder plötzlichen Schlägen ins Gesicht in ihrer gemütlichen Tristesse zu stören.

Mischief Brew – The Stone Operation

Erik Petersen ist der mit großem Abstand beste Folk-Punk-Künstler der Welt, und auch, wenn „The Stone Operation“ nicht mit „Smash The Windows“ mithalten kann, lässt er damit den kompletten Rest dieses Genres einfach überflüssig erscheinen.

Of The Wand & the Moon – The Lone Descent

Kim Larsen hat seinem traurigen Neofolk einen guten Schuss dunklen Jazz hinzugefügt und sich dann mit einer Flasche Schnaps in die Depression gesoffen, während das Aufnahmeband lief. Das ist, wie immer, gut gelungen, aber von mir aus kann er den Jazz demnächst auch wieder weglassen und so klingen wie auf der ebenfalls dieses Jahr erschienen 7″ „Shine Black Algiz“, die zwei der schönsten und lebensfrohesten Stücke Neofolk-Wehmut enthält, die es gibt.

Sólstafir – Svartir Sander

Wenn Lemmy Kilmister Depressionen hätte, könnte er vielleicht auch solche Musik machen. Bestellt habe ich mir das Album in der ungemein passenden Sammleredition: Box mit CD, T-Shirt und vier Schnapsgläsern.

EA80 – Definitiv: Nein!

Nein!

Love A – Eigentlich

Eigentlich stört mich hier irgendwas, z.B. der immer etwas zu bemüht coole Sänger, aber dann wiederum ist guter deutscher Post-Punk schwer zu finden – neben den konkurrenzlos guten Trend gibt es da nichts. Love A, die eigentlich Love Academy heißen, bringen’s. „Die ganze Stadt war plötzlich voller Wal!“ – geil.
Außerdem: Was für ein unglaublich bescheuertes COVER!

Dark Suns – Orange

Die 70er sind schon etwas her. Dark Suns interessiert das nicht. „Orange“ ist ein sehr filigranes und dabei ungemein melodisches Prog-Rock-Album, wie man es besser eigentlich kaum machen kann – und noch dazu komplett live eingespielt.

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Besondere Konzerterlebnisse waren rar in diesem Jahr. Das sehr ansteckende Grinsen von Herrenmagazin-Sänger Deniz beim November-Konzert in Oberhausen gehört dazu. World/Inferno am gleichen Ort. ROME in einem Städtchen namens Hilden, als Headliner eines grotesken Gothic-Abends voller alternder Vertreter der „Schwarzen Szene“. Das erste von zwei deutschen Release-Konzerten von Primordial, voller alternder Vertreter der Ruhrgebiets-Metal-Szene. Und natürlich das erstaunliche Punk-Kabarett der Herren Eisenpimmel und Chefdenker Anfang Oktober in Hagen. Ansonsten kann ich die Leute, die bei Konzerten hinten stehen und zugucken, langsam verstehen. Da hat man’s dann ja auch kürzer zur Theke.

Abschließend: Auch wenn Fleet Foxes mit „Helplessness Blues“ ein eher langweiliges Album veröffentlicht haben, das Stück „The Shrine / An Argument“ darauf ist großartig, vor allem mit dem dazugehörigen Video: http://vimeo.com/31464974

Also dann.
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MUSIKALISCHER JAHRESRÜCKBLICK 2010

7. Dez. 2010, 16:55
Wie immer macht meine Jahresendliste alle anderen überflüssig.

TOP 10

Turbostaat – Das Island Manöver

Turbostaat sind der beste Beweis dafür, dass man nicht zwangsläufig komplett scheiße werden muss, wenn man mit Musik Geld verdient. „Das Island Manöver“ ist trotz des Deppenleerzeichens im Titel nämlich mindestens so gut wie „Schwan“ und klingt dabei ganz anders, aber keinen Deut weniger authentisch und finster.

An Autumn For Crippled Children – Lost

Seit einiger Zeit gibt es einen Trend: „Shoegaze Black Metal“. Es gibt sogar Bands, die klingen wie eine Mischung aus Cocteau Twins und Burzum, finden das neu und aufregend und nehmen deshalb ständig sinnlose Musik auf. An Autumn For Crippled Children gehören nicht dazu. Ihre Musik kommt aus dem Herzen und ist perfekt komponiert und arrangiert. Sehr passender Bandname, wunderbare Musik von der ersten bis zur letzten Sekunde.

Agalloch – Marrow Of The Spirit

Agalloch ist eine dieser Bands aus dem „Pacific Northwest“ der USA. Dort gibt es viele Wälder und Seen, und es muss wohl recht schön sein. Gleichzeitig wissen Agalloch um die Verkommenheit und Grausamkeit der Welt, in der sie leben. Beides hört man auf ihren Alben sehr gut; auf „Marrow Of The Spirit“ hört man es am besten. Es ist ihr bisher verzweifeltestes, härtestes und kompromisslosestes Werk.

Resurrectionists/Battle Of Wolf 359

Auch diese beiden Bands mögen die Welt nicht. Ich glaube nicht, dass man Grind – oder von mir aus auch „Emo Violence“ – besser spielen kann als Resurrectionists, denn da stimmt, abgesehen von den reichlich platten Texten, die man aber zum Glück sowieso nicht versteht, alles. Battle Of Wolf 359 sind sowieso über jeden Zweifel erhaben und werden immer melodischer, ohne dabei ihre herrlich auf den Punkt gespielte Rhythmik zu vernachlässigen.

Chefdenker – römisch vier

„Ach, wenn doch nur Hans-Dietrich Genscher / ein halbwegs ansehnlicher Mensch wär‘!“ Claus Luers Texte sind alles andere als platt, sie sind pointierte Meisterwerke eines Reimgenies und bilden das Fundament für Lieder, die eine ähnlich tröstende Funktion auf mich ausüben wie das Bier am Abend oder das verzweifelte Aktualisieren meines Facebook-Profils am Morgen. Und das immer wieder und ohne sich nennenswert abzunutzen, was man z.B. vom Facebookprofilaktualisieren nun leider nicht behaupten kann.

Slough Feg – The Animal Spirits

Eine Leidenschaft für authentischen, wüsten und dabei epischen Old-School-Heavy-Metal ist schwer zu befriedigen, wenn man Slough Feg nicht kennt. Die Band gibt es seit bald 20 Jahren, aber so frisch und energiegeladen wie hier kann sie unmöglich jemals geklungen haben. Der meiste Metal ist viel zu glatt und zu billig und zu schlecht geschrieben. Der hier ist genial.
Außerdem: Cover des Jahres!

Rome – Nos Chants Perdus

Rome waren mal sehr beliebt in der Martial/Neofolk-Szene, und das, obwohl sie mit Faschisten gar nicht groß was am Hut haben. „You admire the lions / you despise all sheep / but following lions / makes nothing but sheep“ warfen sie ihren braunen oder braun angehauchten Fans schon auf dem (noch sehr hymnischen) Album „Masse Mensch Material“ vor. Auf „Nos Chants Perdus“ haben sie sich auch musikalisch von dieser Szene entfernt und widmen sich mit großer kompositorischer Klasse und nach wie vor ordentlich Pathos einer Art französischem Chanson. Und das klingt einfach nur schön.

Murder By Death – Good Morning, Magpie

„…and the taste of defeat has never been so sweet…“, singen die. Gemeint ist Whisky. „…so I pour another glass and fail again and again.“ Nun ja. Wenn man sich mal anschaut, was für großartige Alben Murder By Death in den letzten Jahren so produziert haben, kann von Versagen eigentlich keine Rede sein, und verkaufen tun sie sich wohl auch ganz gut. Kein Wunder, denn auch „Good Morning, Magpie“ ist wieder ein brillante und tieftraurige Mischung aus Country, Folk und Indie-Rock. Gut, dass es illegale Downloads gibt, damit auch echte Versager dazu ihren Whisky schlürfen können.

Pascow – Alles muss kaputt sein!

„Alles muss kaputt sein“ hat zwar einen tollen Titel, viele knackige Lieder und eine ausgezeichnete Aufmachung, aber irgendwas stört mich dran. Trotzdem habe ich es zigmal gehört und mich dabei jedes Mal aufs Neue über diesen einen englischsprachigen Refrain aufgeregt, in dem der Sänger etwas singt, was sich – ins Deutsche übersetzt – anhört wie „Alle Bullen tragen Bus-Scheißhaufen“; und so gerne ich mir das auch bildlich vorstellen mag, es nervt einfach, wenn Deutsche sich nicht mal kundig machen, wie man bestimmte fremdsprachige Wörter – in diesem Fall „were“ und „bastards“ – korrekt ausspricht, bevor sie sie auf Platte verewigen. Egal. „Alles muss kaputt sein“ ist das schlechteste Pascow-Album, aber das macht nichts.

Darkthrone – Circle The Wagons

„Those treasures will never befall you“, allein für diesen Song möchte ich Darkthrone die Stiefel ablecken. Metaphorisch gesprochen. In echt würde ich mich selbstverständlich fernhalten von diesen stinkenden Tretern, wer weiß, wo die beiden Lumpen damit schon überall waren. An „Dark Thrones And Black Flags“ reicht „Circle The Wagons“ zwar nicht heran, aber das muss es auch gar nicht, denn es ist einfach geil.

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Irgendwie hör ich nur noch Metal, Punk und Volksmusik. Das passiert wohl, wenn man älter wird. Erwähnenswert ist noch, dass dieses Jahr auch Alben von Supernichts, Kommando Sonne-nmilch, Sturmpercht, The Gaslight Anthem, Solefald und Grand Island erschienen sind – alle gut, gemessen an den jeweiligen Vorgängerplatten aber doch (teilweise sehr) enttäuschend. Nicht enttäuschend, aber an der Top 10 knapp gescheitert: Terzij de Hordes, weil auf „A Rage Of Rupture Against The Dying Of The Light“ nur ein wirklich überragendes Lied drauf ist; Altar Of Plagues, weil „Tides“… keine Ahnung; Envy, weil „Recitation“ dann doch einen Tick zu oberflächlich bleibt; Tim Barry, weil „28th & Stonewall“ zwar toller Blues-Rock ist, ich seine wütenden Folksongs aber lieber mag; I Walk The Line, weil „Language Of The Lost“ zwar besser als „Black Wave Rising“ ist, ich aber immer noch dem Klang der ersten beiden Alben nachtrauere; Franz Nicolay, weil „Luck & Courage“ zwar ständig lief, aber zu oft nur Hintergrundberieselung war; Herrenmagazin, weil „Das wird alles einmal dir gehören“ zu spät bei mir angekommen ist; Orden Ogan, weil „Easton Hope“ zwar das beste Bombastmetalalbum seit „Imaginations From The Other Side“ ist, aber… na ja.

Entdeckung des Jahres: SORGSVART, das Projekt eines misanthropischen Anarchisten vom platten Land in Norwegen. Er macht überwältigend guten Viking Metal und gibt sehr unterhaltsame Interviews.

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Denkwürdige Konzerte:

Kaput Krauts, Susanne Blech, Pascow u.v.m. spielen an einem herrlichen Sommertag für lau auf einer Skate-Anlage in Herne. Ich liege voll auf dem Rasen. Es ist alles super. Wieso sind eigentlich so viele Konzerte in stickigen Kellern und kosten Eintritt?

Düsenjäger-Reunion-Konzert mit Pascow als Vorgruppe! Am 18.12. in Osnabrück! Geil! Wird bestimmt super!!

Fliehende Stürme im November im AJZ Bielefeld. Hätte ja nicht gedacht, dass die live so toll sind. Passenderweise kurz zuvor noch nachträglich großen Gefallen am 2009er-Album „Die Tiere schweigen“ gefunden. Schön!

Kapelle Petra spielten im Dezember ihr traditionelles Dezemberkonzert im Ahlener Bürgerzentrum Schuhfabrik. Es war wundervoll, ich hatte permanent ein seliges Lächeln im Gesicht. Wieso sind die nicht reich und berühmt?

Chefdenker im Schwerter „Rattenloch“. Der Name war Programm. Gegen Ende des Konzerts rutschten die anwesenden Deutschpunkfreunde auf einem Gemisch aus Blut, Kotze, Schweiß und Bier umher und wurden von der Band mit deren benutzen Windeln beworfen.

Turbostaat und Findus im Oberhausener „Druckluft“. Weder die Neugestaltung der Drucklufthalle mit Security und edlen Toiletten noch das zahlreich anwesende Jungstudentenpublikum konnten von der Klasse Turbostaats ablenken. Findus war zudem die ideale Vorgruppe.

Das ländliche Idyll beim CMAR-Fest im Schlagertreff „Wöstenkrug“/Peckeloh war natürlich auch wieder ein Genuss, wenn auch nur halb so wild wie letztes Jahr. Und der Danse-Macabre-Fanclub auf der Bühne hätte nicht sein müssen, schließlich ist Phillip Lorig nicht Wolfgang Petry!

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Das war’s.
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MUSIKALISCHER JAHRESRÜCKBLICK 2009

23. Dez. 2009, 12:10
Über Musik schreiben ist wie zu Pornographie tanzen. Folgende Alben sind die besten des Jahres:

Platz 10: Herr Neumann – Träumt weiter!
„Träumt weiter!“ ist nicht so gut wie es sein könnte, aber durchaus sehr gut und allemal besser als jeder andere deutsche Pop-Scheiß dieses Jahres. Besonders Clickclickdecker sollte sich schämen.

Platz 9:: Franz Nicolay – Major General
Der Alleskönner aus Brooklyn kann auf seinem ersten Solo-Album alles.

Platz 8: Chuck Ragan – Gold Country
Der Mann weiß einfach, wie man Country spielen muss.

Platz 7: Frank Turner – Poetry Of The Deed
„Singer/Songwriter“, wie man so schön sagt, mit Punk-Attitüde. Ich fand das Album erst langweilig, das ist meist ein gutes Zeichen. Tatsächlich ist nicht ein einziger schlechter Song darauf.

Platz 6: Buried Inside – Spoils Of Failure
Das mächtige zweite Album der mächtigen Buried Inside ist unmöglich in Worte zu fassen.

Platz 5: Sólstafir – Köld
Verdammt kalt, dieses Album. Man kann dazu weinen, feiern, saufen und vielleicht auch onanieren. Wenn man gut ist, schafft man alles gleichzeitig.

Platz 4: Ostara – The Only Solace
Selten hat ein Neofolk-Typ so kitschig und lebensfroh über den üblichen Neofolk-Unsinn gesungen.

Platz 3: Captain Planet – Inselwissen
Angeblich handelt „Blattsport“, der beste Song auf diesem vor besten Songs überquellenden Meisterwerk, das genau das richtige Maß an Weiterentwicklung beinhaltet, vom „Papierkrieg“, dem Sänger Arne bei seiner „Beamtenausbildung“ ausgesetzt ist (ZEIT, FAZ oder so). Egal.

Platz 2: Editors – In This Light And On This Evening
Neun boshaft kalte Popsongs und eine Bonus-EP mit fünf unsterblichen Balladen, die den Begriff „Weltschmerz“ echt mal mit Leben füllen: so könnte es aussehen, das Album des Jahres. Aber da ist ja noch…

Platz 1: The Twilight Sad – Forget The Night Ahead
…denn was diese Band hier veranstaltet, ist einfach nur übermenschlich schön. Vielleicht das beste Album der letzten zehn Jahre, keine Ahnung, auf jeden Fall hat mich Musik selten so gerührt wie die von The Twilight Sad.

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Top 10 2009

1. The Twilight Sad – Forget The Night Ahead

2. Editors – In This Light And On This Evening

3. Captain Planet – Inselwissen

4. Ostara – The Only Solace

5. Sólstafir – Köld

6. Buried Inside – Spoils Of Failure

7. Frank Turner – Poetry Of The Deed

8. Chuck Ragan – Gold Country

9. Franz Nicolay – Major General

10. Herr Neumann – Träumt weiter!

Gerne hätte ich Coverbildchen eingefügt, aber das Amazon-Plugin funktioniert nicht, und ohne ist mir das zuviel Arbeit.

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Andere Alben haben mich ebenfalls berührt, hier seien sie genannt:
Antony & The Johnsons – The Crying Light: Antonys zerbrechliche Stimme und ein Klavier, das klingt, als würde es zärtlich gestreichelt. Sehr schön.
Amesoeurs – Amesoeurs: Leider mit „Heurs“ nur ein wirklicher Hit drauf, aber der hat es in sich, und alles in allem kann man diesen misanthropisch-melancholischen Auswurf wirklich gut anhören.
Graf Orlock – Destination: today: HASS und WUT und ziemlich viele Waffen. Saugeil.
Battle Of Wolf 359 – The Death Of Affect: Freundliche Grind-Misanthropie aus England mit Nerd-Namen. Top auf diesem Gebiet!
Danse Macabre – Einerseits/Andererseits: Nicht so gut wie der Vorgänger, aber schon ziemlich geil eigentlich. Soziologenhardcore.
Audio 88 & Yassin – Zwei Herrengedeck, bitte: Ich bin sehr open-minded, daher habe ich auch ein Hip-Hop-Album gehört. Mit „Kein richtiges Lied“ und „Leg ein Feuer“ sind da zwei Lieder drauf, die mir ganz aus der Seele sprechen.
Ding Dong Dead – Nie wieder morgen!: Etwas zuviel Gefrickel, sonst echt cooler Krach.
Fall Of Efrafa – Inlé: Hat mit „Republic Of Heaven“ wirklich einen Top-Hit, ansonsten ist mir das aber zu eintönig. Ich war beim vorletzten Konzert, da haben sie das Lied dummerweise nicht gespielt.
Findus – Sansibar: Sehr schönes Pop-Punk-Album aus Hamburg. Hab sie erst kurz vor Ende des Jahres entdeckt, daher hier noch ein Nachtrag. Live gesehen, für gut befunden, Platte gekauft, nicht enttäuscht worden. Irgendwo zwischen Trend und Wohlstandskinder, würd ich sagen.
My Dying Bride – For Lies I Sire: Die hohen Erwartungen wurden leider nicht erfüllt, das Album ist ein wenig zu oberflächlich, scheint mir. Aber vielleicht erschließt es sich mir auch erst im nächsten oder übernächsten Jahr.
Solanaceae – Solanaceae: Neues Projekt von Kim Larsen, der sonst Of The Wand And The Moon macht. Nicht so gut wie eben jenes, aber doch recht schöner, leicht psychedelisch angehauchter Folk.
Katatonia – Night Is The New Day: Enttäuschend. Auch wenn ich einer der sehr wenigen bin, die das finden: das Experiment mit dem Keyboard und den ruhigeren Songs ist gescheitert. Nur ein Song, „The Longest Year“, erreicht ansatzweise die emotionale Tiefe früherer Werke.
Affenmesserkampf – Seine Freunde kann man sich nicht aussuchen: Geiler HC-Punk mit Dackelblut-Touch und dem definitiv besten Cover des Jahres.

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Auch Alben, die früher erschienen sind, mir aber dieses Jahr erst so richtig aufgefallen sind, kamen gut an, z.B. „Vergangenheitsschlauch“ von Oiro, das ich mittlerweile sogar für ihr bestes Werk halte. Das stimmt einfach von vorne bis hinten und trifft oft genug genau meinen Scheißdraufnerv. Genau wie Supernichts, deren 2006er-Album „Hamburg Köln Belgrad“ mir viele vergnügliche Stunden beschert hat. Es ist fast noch besser als „Fixpunkte & Böjen“ von 2008. Wer die Band als prollige Spaßband missversteht, sollte sich mal etwas länger mit Liedern wie „Meer gegen Stadt 3:2″ oder „Suzan“ befassen. Saugeil fand ich dieses Jahr auch zum ersten Mal so richtig Mischief Brew, und zwar alles von denen, insbesondere aber „Smash The Windows“ (2005), das wohl das perfekte Folk-Punk-Album ist. Wenn ich es im Frühling ruhiger haben wollte, hörte ich sehr viel „Sonnenheim“ (2005) von Of The Wand And The Moon, ein wunderbar meditatives, melancholisches und dabei aber sehr lebensbejahendes Neofolk-Album. Aus der gleichen Ecke, aber mehr in die Pop-Richtung tendierend, kommen Spiritual Front, die 2006 mit „Armageddon Gigolo“ den „Nihilist Suicide Pop“ erfunden und mir damit dieses Jahr viel Freude gebracht haben. Eigentlich sollte dieses Jahr ihr neues Werk erscheinen, aber daraus ist leider nichts geworden. Die Norwegerinnen Katzenjammer hingegen haben 2008 ihr Debütalbum veröffentlicht, damals ging es an mir vorbei, aber durch ein Video auf dem Blogsport-Planeten wurde ich darauf aufmerksam, und es hat mir sehr viel Freude bereitet!
Gegen Ende des Jahres begeisterten mich dann noch zwei ganz unterschiedliche Bands auf jeweils ihre Weise: La Dispute und My Dying Bride. Während erstere auf „Somewhere at the Bottom of the River Between Vega and Altair“ (2008) ein furioses, ungemein emotionales Hardcore-Feuerwerk gegen alles Ungemach dieser Welt abfackeln (oh ja!) und dabei auch noch, anders als so ziemlich jede andere HC-Band, auch noch lyrisch alles richtig machen, wabern My Dying Bride auf „A Line Of Deathless Kings“ (2006) brutal-doomig aus den Boxen und machen eben so alles Blöde kaputt. Diese Band begeistert mich immer wieder durch ihre Authentizität und ihre Fähigkeit, jedes Album klar nach sich, aber immer auch neu klingen zu lassen. Mein Lieblingsalbum von ihnen, das unglaublich traurig-schöne „The Light At The End Of The World“ von 1999 habe ich daher auch mal wieder rausgekramt und genossen. Und nebenbei haben sie dieses Jahr mit einer Neuvertonung des Volksliedes „Scarborough Fair“ meinen persönlichen Winter-Hit aufgenommen, zu dem sich aber auch noch drei weitere hinzugesellen, nämlich die genialen Lieder von Envy von ihrer 2008er-Split mit Jesu; das beste, was Envy je gemacht haben.

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Was Konzerte angeht, war 2009 nicht so toll wie 2008. Schön waren auf jeden Fall Captain Planet im Januar, ich glaube, ich hab sie dreimal gesehen. Im Sommer stand mal wieder das „Cry Me A River“-Festival in Versmold an, das war auch wie immer sehr schön. Dann fallen mir noch zwei großartige Konzerte ein, The World/Inferno Friendship Society war mal wieder da und hatte in Göttingen sogar Mischief Brew im Gepäck. Auf dem Juicy Beats in Dortmund waren sie auch cool, aber das war auch einfach eine coole Zeit für mich, da ging’s mir richtig gut, und so konnte ich ausgelassen feiern. Jetzt ist alles nicht mehr ganz so cool, aber Oiro neulich im Düsseldorfer AK47 waren dann doch nochmal richtig geil. Schön war auch, dass ich The Twilight Sad (in Münster) und die Editors (in Bielefeld) im November live sehen konnte, aber beide Konzerte waren von den Rahmenbedingungen her nicht optimal. Beeindruckend aber, wie unglaublich intensiv der Sänger von The Twilight Sad auch live die Lieder rüberbringt, er singt sich regelrecht in Trance.
Ach, und wenn ihr mal Alarmstufe Gerd gucken könnt, geht hin, die sind super, vor allem die Ansagen des Sängers.
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MUSIKALISCHER JAHRESRÜCKBLICK 2008

13. Jan. 2009, 15:59
Endlich mein langerwarteter Jahresrückblick, diesmal auch mit den besten Konzerten!

Aber erstmal die besten Platten:

1. The Gaslight Anthem – The ’59 Sound
Das war mein Sommer.

2. Anatol – Rette sich wer darf
2001 aufgenommen, seit 2003 bei mir am Dauerlaufen, 2008 endlich auf Platte erschienen, mit sehr schönem Booklet und Poster und allem. Endlich weiß ich, was die da an manchen Stellen singen!

3. Klimt 1918 – Just In Case We’ll Never Meet Again
Das war auch mein Sommer, aber ein bisschen weinerlicher.

4. Murder By Death – Red Of Tooth And Claw
Total cool und pathetisch gleichermaßen. Die können mich doch alle mal.

5. Islands – Arm’s Way
Tut weh, es heute zu hören, aber wen interessiert das? Man verbindet mit Musik halt immer irgendeine Scheiße, hier waren es Hoffnung und Lebensfreude Anfang des Jahres.

6. Kapelle Petra – Stadtranderholung
„Ich hab neununddreißigsieben Fieber / und bin in meinem Wahn mal wieder / Lee Majors / als Sechsmillionendollarmann“ – ganz klar die Line des Jahres.

7. Supernichts – Fixpunkte & Bojen
Wer das zu prollig findet, hat mal gar nichts verstanden!

8. Kommando Sonne-nmilch – Scheiße nicht schon wieder Bernstein
ICH BRECH IN EINE BAR EIN
UND TRINKE SIE DANN AUS
URINIERE IN MEIN KRÄUTERBEET
UND ESS DIE SACHEN AUF
ICH SPIEL NE RUNDE TASCHENBILLARD
RASIERE MICH NICHT MEHR
UND FACKEL DIESEN BART DANN AB
UM MICH RUNTER ZU DOSIER‘N

9. Darkthrone – Dark Thrones And Black Flags
Hiking Metal Punx… forever! Außerdem das beste Cover des Jahres, Hammer!

10. Sonne Hagal – Jordansfrost
Und das ist jetzt mein Winter.

Auch noch toll:

Idle Hands – Idle Hands; I Walk The Line – Black Wave Rising; Flogging Molly – Float; Damien Dempsey – The Rocky Road; Grand Island – Boys & Brutes; Trend – Vier; Fleet Foxes – Fleet Foxes; Düsenjäger – Blindflug; Anathema – Hindsight; Stille Oppror – S.o2; Nocte Obducta – Sequenzen einer Wanderung; Tischlerei Lischitzki – Kommunikation ist…; Tom Gabel – Heart Burns

Die besten Konzerte: (keine wertende Reihenfolge)

– World/Inferno Friendship Society in Arnheim anlässlich der Eröffnung irgendeines Kunstfestivals. Wir standen auf der Gästeliste, wurden mit Sekt empfangen, ich hatte meinen eleganten Anzug an, und die Band war halt wie immer brillant. Sehr amüsant auch die Teilung des Publikums in ältere kunstinteressierte Damen und Herren und Fans der Band. Die beiden anderen besuchten W/IFS-Konzerte (Dortmund und Aachen) waren auch toll, das in Dortmund, weil Endpunkt eines tollen Tages in Dortmund zwischen tausenden „Ravern“, und das in Aachen, weil das AZ dort geil ist, der Tag davor schon klasse war und wir wegen Unpässlichkeiten der Bahn statt zwei geschmeidige viereinhalb Stunden mit dem Zug gebraucht haben.

– Nihilist #2 und Vorwärts schöner Weltenkotzer in irgendeinem Proberaum in Münster. Wir haben polarisiert: von „so gut wie World/Inferno!“ bis „was für eine riesengroße Affenscheiße“ reichten die qualifizierten Meinungen des Publikums.

– Oiro-Kneipentour in Düsseldorf-Bilk am Tag der Deutschen Einheit, danach Pascow und Düsenjäger im Linken Zentrum. Das war ein absolut perfekter Tag, mehr Spaß hatte ich wohl das ganze Jahr über nicht. Videos davon (und von anderen tollen Sachen) gibt’s hinter diesem Link!

– Chefdenker und Supernichts in Düsseldorf, AK47. Weil meine Freunde alle Töffel sind, war ich alleine dort, und leider war auch noch dieser blöde Toto an der Gitarre, aber ich hatte sehr viel Spaß dabei zuzusehen, wie Claus Luer Pisse trinkt. Weiter so!

– I Walk The Line und Love Is All in Münster, Gleis 22. Fingerpointing, lautstark mitsingen, total besoffen sein – ich, als einziger! Die anderen 20 Anwesenden fanden die Band aber auch ganz gut, glaub ich. Sehr geiles Konzert, sehr geile Band, auch Love Is All waren toll.

– Kommando Sonne-nmilch im Druckluft, Oberhausen. Zwar wenig Stimmung und Begleitung, aber die Band ist einfach immer genial, und das Rachut-Double, das kurz vor Schluss spontan auf die Bühne kam und spontan „Stand der Dinge“ sang, war sehr witzig.

– „Cry Me A River“-Festival im Wöstenkrug, Peckeloh, Wildnis, wo vor Titan, Danse Macabre, Louise Cyphre, Ding Dong Dead usw. auch schon andere bekannte Schlagerstars, wie Olaf Hennig und der mächtige Wolfgang Petry, zu Gast waren. Viele Freunde da, alles sehr idyllisch und gemütlich, ganz so, wie ich’s mag!

– Casanovas Schwule Seite und Pornoheft im Sonic Ballroom, Köln. Was soll man dazu sagen, CSS halt, perfekter Veranstaltungsort, nur genial. Am nächsten Tag war ich zu fertig, um Unmengen von Geld für den Knochenfabrik-Auftritt in Hünxe zu bezahlen. Na ja.

– Düsenjäger-Abschiedskonzert in Osnabrück. Ich war da! Ich hörte zwar nur die ersten fünf Minuten und musste dann zum Zug, weil ich keine Rückfahrgelegenheit im Auto hatte, aber: ich war da! Zug- und Busfahrt dauerten dann geschmeidige zweieinhalb Stunden, und ich hatte den Kaffee auf. Na ja, bleibt im Gedächtnis. Auch, dass ich mit guten Leuten aus dem Osten Westfalens und Deutschlands geplaudert habe, während die miserablen Vorgruppen gespielt haben.

– Anatol, Herr Neumann, Captain Planet (und noch wer?) im Ostbunker, Osnabrück. Geil, Anatol! Hätte ja nie gedacht gehabt, dass ich die mal live sehen würde, weil Band tot und so. Aber nix da, Platte veröffentlicht, Release-Konzert gespielt, beides legendär, vor allem, da der Sänger so dermaßen stramm war, dass er so ziemlich alles verpeilt hat. Super! Ich als echter und beinahe einziger anwesender Fan der Band (traurig!) konnte die meisten Lieder trotzdem weitestgehend erkennen und sang trotz der Grabesstimmung fleißig mit. Die anderen Bands auch klasse, kurz vor Schluss von Captain Planet mussten wir leider gehen wegen Zug und so.

So. Kein Konzert im AZ Mülheim dabei, komisch. Und ich habe alle (!) Knochenfabrik-Konzerte verpasst. Hoffentlich ändert sich das 2009. Ansonsten doch ein sehr gutes Jahr, so musikalisch gesehen!