Tagebuch II

Guten Morgen!!! Tag fünf meines Urlaubs. Misstrauisch spaziere ich zum Bäcker: Sind SIE wieder hinter mir her? Dumme Frage, nie ist jemand hinter mir her. In einem Schaufenster liegt ein Schild: „Soko Baklava“.

Es ist vier Uhr morgens. Merve, Sheyma und Aysegül stopfen wie jede Nacht kiloweise Rauschgift in Gebäck. Es ist ihr Job. Nie hat sich eine von ihnen beschwert, denn was würde es nützen? Die Kinder müssen durch die Schule, alle drei haben jeweils ungefähr vier Jungs, es herrscht Krieg im Kinderzimmer, Psychologen rennen ihnen die Bude ein, hin und wieder ist auch einer vom Jugendamt dabei. WAS TUN? Scherze machen. Gerade lacht Merve wieder dreckig über einen Witz Sheymas über die mageren Schlafzimmer-Fähigkeiten ihres Mohammeds, da poltert es an der Tür, und ein Mann mit wirrem Haar hält den drei Frauen eine Knarre ins Gesicht. Es ist Kommissar Thomczyk von der SoKo Baklava. „HOCH MIT DEN KLEBRIGEN FINGERN!“, brüllt er, „WO SIND DIE HINTERMÄNNER?!“

„Wir nix sprechen Deutsch“, versucht es Aysegül mit dem alten Trick, muss aber selber drüber lachen, also lacht Thomczyk mit, während er ihr Handschellen anlegt. Mohammed, der älteste der fünf Söhne Merves, kommt durch die Tür und kriegt auf der Stelle einen Pistolenlauf ins Genick. Der übereifrige Wachtmeister Hauke mal wieder! Thomczyk hat nichts gesehen, da hat er Routine drin. Alle werden abgeführt. Vor der Tür stehen fünfzig Bulgaren mit Baseballschlägern, und…

Weiter bin ich noch nicht. Vielversprechend, oder? Was einem halt so durch den Kopf geht, wenn man sich auf die kommenden Punk-Konzerte freut! Nicht nur auf die beiden offiziellen (HABT IHR SCHON KARTEN GEKAUFT? http://www.bakraufarfita-records.de/shop/konzertkarten), sondern auch auf das inoffizielle Bierschinken-Fest davor. Und auf das „Racoone Records“-Fest am Freitag in Düsseldorf. Wenn ich nur nicht zum Frisör müsste! Frisör ist schlimmer als Zahnarzt. Die Wohnung will auch mal wieder geputzt werden, ach was: Da muss GRUND rein. Ich nehme an, das ist auch metaphysisch gemeint, wenn man das so sagt: Die Wohnung braucht einen Grund für ihre Existenz. Ich kann den nicht liefern, tja, scheiße, so wird sie weiter vor sich hin dümpeln. Macht aber auch nichts. Lange Rede, kurzer Sinn: Mehr Mut zum Dümpeln. Wenn alle mehr dümpeln würden, gäbe es weniger Krieg. Was gäbe es stattdessen? Liebe, Frieden, Gruppensex. Carpe diem, alles wird gut!