MUSIKALISCHER JAHRESRÜCKBLICK 2017

Auch 2017 gilt: Musik ist das Geilste. Hier meine 15-31 Lieblingsplatten und die zehn m.E. beeindruckendsten und schönsten Musikvideos des Jahres.

Das dazugehörige Album erscheint 2018. Zu spät für den 100. Jahrestag der Oktoberrevolution, deshalb wohl dieses frühe Vorabvideo, gedreht von Kay Özdemir, der auch das zweite Video von NO°RD gemacht hat. Nun aber los:

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MUSIKALISCHER JAHRESRÜCKBLICK 2016

Guten Morgen,

ich finde das Leben grundsätzlich sehr interessant, spannend und schön. Da freut es mich doch, wenn es sich dann auch mal entsprechend verhält. 2016 war das der Fall, nicht nur musikalisch passierte mehr als sonst, auch in meinem Leben und – last but not least! – in der Welt. Wobei, da passiert eigentlich immer viel. Eigentlich passiert immer ganz schön viel! Wahnsinn.

Um dem diesjährigen sehr langen Jahresrückblick einen inhaltlichen Schwerpunkt zu verleihen, ja, um nicht den Überblick zu verlieren bei soviel Großartigkeit, möchte ich meine alte Leidenschaft für GENDER STUDIES wieder ausgraben und meine Lieblingsalben unter dem Gesichtspunkt von MÄNNLICHKEIT untersuchen. Da staunt ihr, da staune ich, da staunen wir alle, denn Staunen ist was Schönes, wer nicht mehr staunt, leidet, sage ich.

Fangen wir mit meinem diesjährigen Lieblingsmusikvideo an, PUP erzählen mit „Sleep in the Heat“ die traurige Geschichte vom Tod eines geliebten Reptils, nämlich dem des Sängers der Band. Im Musikvideo handelt es sich jedoch um die nicht minder traurige Geschichte eines Jungen und seines Hundes. Männer und Tiere!, möchte man ausrufen. Doch geht es ja nicht nur um Tiere, sondern auch um Jungen- und Männerfreundschaft, und da kann ich als Mitglied einer Männerband ein Lied von singen (um Himmels Willen, hoffentlich tue ich das nie). Jedenfalls musste ich fast weinen:

Nun aber zu den ohne Zweifel besten Alben des Jahres.

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Zur Schließung des „Salon Fink“ und einer typischen Reaktion darauf

An merkwürdigen Texten über die Dortmunder Nordstadt mangelt es ja nun nicht, aber anlässlich der wirtschaftlich bedingten Schließung des „Salon Fink“ auf dem Nordmarkt sind in letzter Zeit nochmal zwei hinzugekommen, von denen ich einen aktuellen so ärgerlich finde, dass ich ihn mal ausführlicher kritisieren möchte: http://www.derwesten.de/staedte/dortmund/wie-sich-der-nordmarkt-im-november-2016-anfuehlt-id12390255.html

Immerhin ist Felix Guth (sic!) so anständig, seine Perspektive kundzutun, die eines Menschen aus einer Welt nämlich, die von der des Nordmarkts ungefähr so weit entfernt ist wie der Mond, und der deshalb Angst davor hat: „Angereist aus einem behüteten Teil dieser Stadt. Zugleich fasziniert von der ungeheuren Verdichtung sozialer Milieus in der Nordstadt, von der Dynamik. Und überfordert damit, dass das auch unangenehme Folgen haben kann. Es ist die Perspektive derjenigen, die wieder wegfahren von hier in eine illusorische Sicherheit. Nicht die derjenigen, die hier ihre Existenz haben. Was ich an diesem Novemberabend sehe: Menschen, viel mehr Menschen als an den meisten anderen Orten der Stadt. Was sie genau tun, ist nicht zu erkennen. Aus der Distanz sieht es nicht aus wie etwas Verbotenes. Aber auch nicht wie etwas, bei dem man unbedingt dabei sein möchte oder sollte. Vor Cafs und Hauseingängen stehen Menschengruppen. Aus dem dunklen Park lärmt es. Jugendliche jagen sich zum Spaß, Geschrei-Fetzen künden von einem Streit. Ein normaler Abend.“

Man muss sich das mal vorstellen: Da sitzt ein gut verdienender „Journalist“ in seinem Auto und traut sich nicht raus, weil um ihn herum lauter Menschen sind. Die sogar Geräusche machen. Wahnsinn! Wie hält dieser Mann es bloß in der Fußgängerzone aus? Na, egal, es geht ja um den Nordmarkt, diese andere, fremde Welt: „In den Sommermonaten sei es noch voller, sagen die Menschen hinter der Glasfassade des 2008 eröffneten Gastronomie-Pavillons. Unerträglich voll.“ Der Nordmarkt wird hier – objektiv betrachtet – als Erfolgsmodell beschrieben, als öffentlicher Ort, der von Menschen gerne und viel genutzt wird. Für Menschen wie Guth und das Stammpublikum des „Fink“ ein „unerträglicher“ Zustand. Irgendwie irre. Aber was genau ist eigentlich unerträglich?

„Es ist, so wird es in Gesprächen mit Kati Eilinghoff und anderen langjährigen Begleitern des Salon Fink deutlich, nicht das eine große Ereignis, das den Rückzug ausgelöst hat. Sondern die Summe vieler kleiner Ärgerlichkeiten. Von Pfefferspray auf dem Weg zur Arbeit, rund um die Uhr lärmenden Menschen. Kontrolllosen Kindern, die belästigen und stehlen, weil sie es nicht besser kennen.“

Frau Eilinghoff verbringt selbstverständlich mehr Zeit auf dem Nordmarkt als ich. Ich möchte diesem Potpourri an Gräueln trotzdem etwas entgegensetzen: Ich bin oft zu Fuß in der Nordstadt unterwegs, ich gehe viel ins Kino, zu Freunden, zum Bahnhof u.v.m., und immer gehe ich dabei über den Nordmarkt, denn er liegt auf dem Weg, und ich mag die Architektur des Platzes, der auf mich wie eine einzigartige innerstädtische Oase wirkt. Pro Woche gehe ich etwa sechs Mal darüber – auch mal nachts –, das macht über 1000 Mal allein in den letzten vier Jahren. Meistens freut mich der Anblick der Familien mit ihren fröhlich spielenden Kindern (die offensichtlich wenig erzogen sind, ja, aber was geht mich das an? An anderer Stelle beklagt man sich über Helikopter-Eltern und Kinder, die nur noch vor Bildschirmen sitzen, und hier spielen Kinder den ganzen Tag Fußball mit Dosen, und das soll dann auch wieder verkehrt sein?); ich genieße die Lebendigkeit dieses Ortes. Ja, oft habe ich Mitleid mit vereinzelten Prostituierten und den alteingesessenen Alkoholikern. Und mit dem „Fink“, denn da sitzt meistens Frau Eilinghoff vor und langweilt sich. Aber noch nie, nicht ein einziges Mal, hat mich irgendjemand belästigt. Einmal ist es vorgekommen, dass ein Kind mich gefragt hat, ob es meine Pizza haben kann, denn es habe Hunger. Das war’s.

Aber weiter im Text, jetzt wird es ein bisschen helle:

„Die mit verschiedenen öffentlichen Programmen aufgehübschte Grünfläche, so schrieb es vor vier Jahren „Die Zeit“, erinnere an die Parks in Paris. Das ist gar nicht einmal ganz übertrieben und könnte doch falscher kaum sein. Hier flanieren die Menschen nicht. Hier fristen sie ihr Dasein. In dem der Alltag auch daraus besteht, an der Straße auf Arbeit zu warten, geheimen Geschäften nachzugehen oder den trostlosen Tag mit hartem Alkohol, aber zumindest nicht allein zu verbringen.“

Zwar wird auch hier wieder das Positive einfach ausgeblendet – Familien, die den Park und den Spielplatz als Aufenthaltsort nutzen, als das, wozu er nun einmal gedacht ist! –, aber das Beschriebene gibt es ja tatsächlich. Und warum? Im Kapitalismus ist Armut notwendig, systemimmanent, unangenehme Realität – Realität, die sich ihre Räume sucht. Man könnte sich mal Gedanken darüber machen, warum das so ist, wie Armut entsteht, was sie mit Menschen macht. Davon will Guth aber nichts wissen, er will sich nur ekeln, abschotten, ratlos und mit gnadenlos negativer Brille das Elend betrachten, ja, sich von ihm persönlich angegriffen fühlen: „Zwischen „Cafe Europa“, Schleswiger Straße und der“Malli“ sind die Abgründe Alltag. Der jetzt auch diejenigen in die Knie gezwungen hat, die sich jahrelang dafür eingesetzt haben, dass es hier ein Gegengewicht zu sozialen Problemen, Einsamkeit und Ziellosigkeit gibt.“ Dass Lokale wie das „Fink“, das sein ganzes Konzept (mit Tatort-Rudelgucken, Bingo-Abenden, Indie Rock und teurem Bier) auf typisch deutsche Normkultur ausgerichtet hat, hier zum „Gegengewicht“ zu Armut und Elend erklärt wird, ist natürlich so lächerlich, dass es kracht. Aber es ist auch symptomatisch: Leuten wie Guth fällt zu Armut nur die Bedrohung der eigenen Existenz ein, nicht einmal für Mitgefühl ist da noch Platz. Sie sind deutsche Spießer, die ihre Ruhe haben wollen:

„Drinnen beginnt der Konzertabend, die Wirklichkeit bleibt draußen. Das war vielleicht das, was den Salon Fink über die Jahre so beliebt gemacht hat. Eine Blase des Wohlfühlens. Gemeinschaft und Wärme hinter der Glastür, der vermeintliche Angstraum davor. Das Signal, das nach draußen strahlt: Hier passiert etwas Gutes, bekämpft es nicht.“

Wir sind die Guten, ihr die Bösen, die „Zombies“, wie der andere von mir angesprochene Text aus diesem Milieu (auf dem Blog „Last Junkies On Earth“) schon vor einigen Wochen schrieb. Und gut können wir sein, weil wir Geld haben. Das „Fink“ erscheint in diesem Bild wie z.B. die Apotheke aus der ersten Episode des „The Walking Dead“-Spiels: Die letzten verbliebenen Menschen müssen sich verschanzen, weil die menschenfressenden Monster bereits an der Tür scharren. (Und mal davon abgesehen, Herr Guth: Das Wort „vermeintlich“ bedeutet „(irrtümlich, fälschlich) vermutet, angenommen; scheinbar“, also hier, dass es vor der Tür gar keinen Angstraum gibt. Wollten Sie das wirklich sagen? Genau. Setzen, sechs!)

Den Rest des Textes über bemüht Guth sich dann darum, den menschenverachtenden ersten Teil zu relativieren. Aber auch dabei macht er sich lächerlich, etwa, indem er die zitierten vernünftigen Aussagen des Quartiersmanagers dadurch ungültig macht, dass er behauptet, es gebe ständig Rückschritte. Oder wenn er das „Fink“ als „subkulturelles Gegengewicht“ bezeichnet. Nochmal: In dem Laden gab es Bier für drei Euro, Tatort-Abende und Indie-Konzerte; mehr Mehrheitskultur für Besserverdienende geht gar nicht. Die echten subkulturellen Orte in der Nordstadt – den „Nordpol“ z.B., der auch im Quartier liegt und deutlich besser damit zurecht kommt, weil er sich um ein integratives Konzept bemüht und nicht profitorientiert arbeitet – kennt Guth wahrscheinlich nicht einmal.

Der mediale Aufschrei über die Schließung eines stinknormalen kommerziellen Ladens wie dem „Fink“ bei gleichzeitiger Ignoranz des tatsächlich stattfindenden sozialen und subkulturellen Aktivismus in der Nordstadt – es ist schon ein Jammer, symptomatisch für eine brutale Klassengesellschaft, in der Vereinzelung und Konkurrenzdruck dafür sorgen, dass Menschen wie Felix Guth Armut und ihre Symptome nur noch als ekelige Gefahr wahrnehmen können. Weshalb sein Schluss dann wie eine Drohung wirkt: „Wie es hier wirklich läuft, kann ganz sicher ein einziger Abend nicht zeigen. Aber er überzeugt mich davon, mich nicht damit abfinden zu wollen, dass alles bergab geht.“

MUSIKALISCHER JAHRESRÜCKBLICK 2015

Aloha!!

Ich hatte ein sehr schönes und erfolgreiches Jahr mit meiner kleinen Punk-Band NO°RD, und da bin ich sehr dankbar für. Hier seht ihr mich und meine Freunde auf Tour:

Haha, Spaß, wir tragen gar keine Lederjacken, und außerdem sind wir zu fünft! Super Video und Lied, das Album „Heinz“ ist aber eher so mittel, obwohl „Heinz“ ja ein guter Name ist, z.B. heißt mein Idol Heinz Strunk ja auch Heinz! Na ja. Freut ihr euch? Ja? Schön. Ich mich auch! Also, manchmal zumindest. Das war dieses Jahr nicht immer so! Jetzt funktioniert es wieder einigermaßen. Sechzehn gute Gründe dafür findet ihr in der folgenden Liste:

Black Tower – The Secret Fire

Nicht nur das Album des Jahres, sondern des Jahrzehnts und überhaupt von allem. Drei Punk-, Metal- und Tolkien-Nerds aus Kanada spielen 80er-Power-Metal. Es ist das beste Album, das jemals aus diesem Genre gekommen ist, und, wie gesagt, das beste Album aller Zeiten. Vor kurzem saß ich mit einer Dose „5,0″ am Hals und „The Secret Fire“ auf den Ohren im Regionalzug und weinte vor Glück (fast). UN-GLAUB-LICH GEIL!

mewithoutYou – Pale Horses

Ein sehr originelles, hartes, düsteres Album von mewithoutYou, eines, das man ein paar mal hören muss, um es dann ca. 100mal hören zu müssen. Extrem hohe Langzeitwirkung, sowohl traurig als auch hoffnungsvoll, unkommerziell, künstlerisch wertvoll, wirkt sogar bei Depression: ICH EMPFEHLE ES!

Stick in the Wheel – From Here

Englischer Folk aus den Kneipen Ost-Londons. Die Sängerin hat so eine geil angepisste Stimme. Ich war ein paar mal in London dieses Jahr. Schön da!

We The Heathens – Regicide

Rein akustischer Crust Folk Punk mit Texten übers Trinken, Dreckigsein, die Verkommenheit bürgerlichen Lebens und darüber, dass Mutter Natur bitte endlich mal gewinnen soll gegen die bösen Menschen. Ich fühle es! Natürlich finde ich es teilweise inhaltlich nicht so gut, aber oh, wie ich es fühle! (Gratis oder gegen Spende auf ihrer Bandcamp-Seite unbedingt runterzuladen! Gerne hätte ich auch „Let it fall“, die Solo-EP von einem der Heathens verlinkt, aber er hat sie runtergenommen. Schade.)

Myrkur – M

Ein Album voller Glück, Wäldern und Elfen, als wäre man wieder in den 90ern und lauschte irgendeiner x-beliebigen lieblichen Stimme abwechselnd mit wildem Gekeife. Herrlich!

Tocotronic – Das Rote Album

Tocotronic ist mit diesem Werk ein wunderschönes und sehr ungewöhnliches Album über die Liebe gelungen. Trotz der hohen Zuckrigkeit wollte ich es immer wieder hören. Oder gerade deswegen! Gibt es eigentlich noch eine Happy-Rave-Szene? Ich würde sie mal auschecken. Dirk von Lotzow hätte bestimmt nichts dagegen!

Love A – Jagd & Hund

Love A traten dieses Jahr beim KAZ Open Air in Herne auf, vor den üblichen 50-100 Zuschauern, und sie gaben alles. Das war ein perfekter, unbeschwerter Tag, einer der wenigen in diesem Jahr, und sie hatten maßgeblichen Anteil daran. „Jagd & Hund“ geht zwar den Weg alles Irdischen (also Richtung Rollstuhl), aber das macht nichts, denn im Herzen ist es schon noch ganz schön asozial.

Freiburg – Brief & Siegel

Man kann natürlich auch den Weg alles Himmlischen gehen und immer HÄRTER werden. Freiburg kommen aus so niedlichen Orten wie Harsewinkel, Gütersloh und London, UM ALLES ZU ZERSTÖREN. Dabei sind sie meganice Dudes, die ich ins Herz geschlossen habe. NO°RD durften schon zweimal mit ihnen zusammen ran! Geil. Kann nächstes Jahr nur NOCH geiler werden. Mit „Brief & Siegel“ hatte ich anfangs so meine Probleme, weil ich den Vorgänger „Aufbruch“ so liebe, vermutlich gerade wegen dessen schlechtem Sound. Aber das neue ist nach ein paar Durchläufen auch top. Der absolute Über-Hit ist „Sommer, Roggen & Er“, das Video gibt einen guten Eindruck von der Niceigkeit der Herren:

Franz Nicolay – To us, the Beautiful

Franz Nicolay hat es schon wieder getan: tolles Album, beschissenes Cover. Was ist da bloß los? Na ja, egal. Der Fö hat ihn dieses Jahr nach Dortmund geholt, und dort HABE ICH MIT IHM GESPROCHEN. Das war sehr schön. „To us, the Beautiful“ ist für meinen Geschmack zuviel Rock und zuwenig Folk, aber was tolles und besonderes ist es allemal.

Zugezogen Maskulin – Alles brennt

Ich bin kein Fan von Kritik an Hipstern (billig) und Hip Hop (keine Gitarren), deshalb habe ich „Alles brennt“ lange ignoriert. Erst „Plattenbau O.S.T.“ eröffnete mir den Zugang zu diesem Kleinod deutschen politischen Liedermachertums, da es mein Bedürfnis nach Pathos und Melodie befriedigt. Danach empfand ich auch den Rest als sehr gewinnbringend, z.B. als (ohren-)betäubenden Soundtrack für einen hasserfüllten Stadtbummel. Toll!

Blackbird Raum – Destroying

„False Weavers“ war vor zwei Jahren von Januar an schon unangefochten mein Album des Jahres, da konnte „Destroying“ natürlich nur gegen verlieren. Und das, obwohl meine Lieblinge von der Irish-Folk-Band Lynched hier mitgewirkt haben. Leider stinken aber sowohl Produktion (irgendwie zu dünn) als auch Songs (irgendwie zu, na ja, vertrackt) gegenüber „False Weavers“ tatsächlich ab. Und ich habe es leider nicht geschafft, ein Konzert der Europa-Tour zu besuchen.

Jeff Rosenstock – We Cool?

Ein Indie/Punk-Konzeptalbum über Depression, sehr ehrlich, sehr wahr, sehr lebensfroh und voller Ohrwürmer. Video und Text zu „Nausea“ könnten es nicht besser ausdrücken:

K.I.Z. – Hurra, die Welt geht unter

Auch bei K.I.Z. habe ich das Gefühl, dass das politische Liedermachertum mittlerweile im Hip-Hop eine neue (und gute) Heimat gefunden hat. „Hurra, die Welt geht unter“ ist voller trauriger Geschichten und Hass und Wut auf den Kapitalismus, es ist eine große Freude. Man verzeiht ihnen sogar den schlagerhaften Titelsong, der auf dem Album aber sogar ganz gut kommt, denn davor kommt „Was würde Manny Marc tun?“, das in die Geschichte eingehen wird, als was auch immer, und zusammen ist das wirklich großartig und würde den Genossen Franz-Josef Degenhardt, durch dessen Katalog ich mich in diesem Jahr endlich mal intensiv durchgearbeitet habe, wohl sehr glücklich machen. Außerdem mag ich Schlager ja eh.

Mischief Brew – This Is Not For Children

Die Alben für Kinder gefielen mir besser! Erik Petersen hat wirklich einen passenden Titel gefunden, denn das neue Mischief-Brew-Album klingt sehr rockig und erwachsen, gar nicht mehr so folkig und verspielt wie mein All-Time-Favourite „Smash The Windows“. Es ist natürlich trotzdem ein prima Album!

Jottnar – Burn & Bury

Sehr schöne EP mit Demo-Charakter. Black Metal aus der Hardcore-Ecke ist ja eigentlich nicht so meins, aber diese Engländer haben irgendwas, was mich immer wieder auf play hat klicken lassen.

Ein gutes Pferd – Robotertauben

Jetzt hätte ich beinahe Ein gutes Pferd vergessen. Scheiße. „Robotertauben“ ist eine großartige Platte (vor allem das letzte Lied mit dem geilen Dackelblut-Einfluss), und wir haben drei wunderbare Konzerte mit ihnen zusammen gespielt. Ich konnte nicht immer mit soviel Zuneigung angemessen umgehen, aber ich habe es versucht, und ich übe ja auch noch! Bis demnächst!

Hoffentlich erscheint 2016 dann auch mal unser Album. Es fehlt immer noch ein Titel!

Nachträge:
Arcturus – The Arcturian Sign
Grift – Syner
Gloryhammer – Space 1992

Tagebuch III

Hallo!

Ich steige heute in ein Flugzeug. Sollte dieses abstürzen, möchte ich ein paar letzte Worte loswerden: KAUFT TICKETS FÜR DIE KOMMENDEN BIERSCHINKENFESTE (http://www.bakraufarfita-records.de/shop/konzertkarten). Sollte es nicht abstürzen, werde ich einen Bierschinkenbericht über meine Reise verfassen, irgendwann nächste Woche. Das wird schön.

Warum ist der Ruhestand Stefan Raabs ein Medienthema? Ich habe den Mann seit etwa zehn Jahren nicht mehr wahrgenommen, und ich bin schließlich der Nabel der Welt. Egal. Vermutlich fällt das unter „Die Welt ist zu komplex“ oder „Der Mensch ist schlecht“. Beides Quatsch. Die Welt ist pillepalle, der Mensch eigentlich ganz okay. Denkt mal drüber nach, während ihr die Karten kauft.

Zwei Veranstaltungstipps: 25.6. Punk im FZW, 26.6. „Komm in meinen Wigwam“ von Wenzel Storch, Theater Dortmund. Lektüre: „Ein Grabstein für Jack Taylor“, aus dem Englischen ins Deutsche übertragen von… genau. Bestimmt ein schlechtes Buch, aber die ersten acht habe ich auch schon gelesen, und ich bin in Stimmung.

Kommt jemand mit zu Studio Braun, 16.10., Köln? Ja, es ist bald schon wieder Oktober. Jedes Jahr Vorfreude, und dann ist alles sofort wieder vorbei, z.B. auch die Bierschinkenfeste (Karten kaufen, s.u.!). Man sollte sich jetzt schon auf den Sommer 2016 freuen, vielleicht bringt das was. Auf die Reise heute freue ich mich seit zwei-drei Monaten wie blöde, ich lebe quasi dafür, und jetzt würde ich plötzlich lieber im Bett bleiben. DAS IST DOCH BEKLOPPT, aber nicht zu ändern, außer vielleicht, wenn man so Tabletten dagegen nimmt. Apropos, Arztbesuche, reine Schikane, man sollte alle Tabletten einfach so geschenkt kriegen. Darauf wird es sowieso hinaus laufen, die Suizidrate steigt ins Unermessliche, die Regierung reagiert, Tablettenausschank an jeder Ecke, irgendjemand muss sie schließlich noch wählen.

Man wird ja wohl noch träumen dürfen. Neulich habe ich geträumt: Jesus ist in der SPD und hält eine Rede im U-Bahn-Schacht. Alle sind begeistert, nur ich nicht, ich gehe weg. Narzissmus pur, zum Kotzen, wer soll sich sowas anhören, ich ganz bestimmt nicht! Leider habe ich vergessen, wohin ich dann gegangen bin, das war nämlich auch lustig, aber eigentlich ja auch egal, ach, scheiße.